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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
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Siebentes Kapitel.

Veit Ludwig von Seckendorf!

In dem Wirken der alten deutschen Kameralisten spiegelnsich die Absichten und Ideen der deutschen Fürsten: ihre Werkewerden Programme der Regierung des Staates. Habsburger und Wettiner streiten um die Ehre, Staatsmänner und Volkswirtezu neuen Projekten und neuen Gedanken angeregt zu haben.Während Obrecht, Becher, Hornigk und Schröder Ratgeberder deutschen Kaiser sind, wirken an sächsischen Höfen dieAutoren der Münzschriften, Osse und Seckendorff. Dieserverschiedene Wirkungskreis konnte nicht ohne Einfluß bleiben:am Sitze der Zentralgewalt eines mächtigen Reiches mußte sichder Blick erweitern, dort konnte er über das ganze Land und seineGrenzen schweifen, während er bei der Zersplitterung der thüringi-schen Staaten sich verengte und sich nicht zu so kühnen Plänenaufschwingen konnte. Doch auch diese Staaten wollten Gebildefür sich sein, und der Fürst unabhängig von anderen, selbst wenner Gefahr lief, zum Zaunkönig zu werden. Das Zeitalter desMerkantilismus forderte völlige »Independentz«. So finden wir beiden sächsischen Kameralisten die Verwaltungsfragen stärkerals die rein wirtschaftlichen betont. Roscher hatte nicht unrecht,Osse und Seckendorff in einer Monographie zu vereinen, weil sieviele gemeinsame Züge äufweisen: als hervorstechendsten den dertreuen Anhänglichkeit an ihre Herrscher; sie sind die typischenFürstendiener.

Während Seckendorff der Fortsetzer Osses, aber auchObrechts ist, leitet er hinüber zu den Neukameralisten: dennvon ihm aus nimmt die Periode der »Polizei« ihren Ursprung, diedann das kommende Jahrhundert ausfüllt. Deshalb kann es unsheute nicht verwundern, daß er in seiner Zeit als einer dergrößten Staatsmänner angesehen wurde und im 18. Jahrhundertals Autorität galt, daß sein »Fürstenstaat« »das beliebtesteHandbuch deutscher Politik« x ) wurde und auf den Universi-täten Generationen von Studierenden in den Vorlesungen von