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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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ihm vernahmen. Daher gilt auch heute noch Seckendorff als der berühmteste Kameralist, ja als der 'Kameralistschlechthin: weil man nur die Verwaltungsmomente betonte,ohne die ökonomische Seite zu würdigen; wenn wir sie berück-sichtigen, wenn wir die Fülle der Gedanken und die Kühn-heit der Entwürfe als Maßstab anlegen, dann überragt ihnBecher bei weitem. Zu den bedeutendsten Fürsten des 17. Jahr-hunderts gehört Herzog Ernst I. der Fromme von Sachsen-Gotha-Altenburg. Von tiefer Frömmigkeit beseelt wollte er einwahrer Vater seines Volkes sein; ein Verwaltungstalent von ernsterBildung verstand er es, sein Land zu heben und zu einem derbestgeleitetsten der deutschen Staaten zu machen: er mußte denKameralisten als das Prototyp eines Fürsten gelten. An seinemHofe wurde Wilhelm von Schröder erzogen und fand in dieserSchulung Nutzen für sein ganzes Leben (s. Kap. VI, S. 296). Soverknüpfen ihn enge Beziehungen zu seinem Landsmann und Zeit-genossen Seckendorff , noch dazu da man ihn zum Nachfolger vonSchröders Vater ernannte. Doch während jener zum Österreicherwurde, blieb Seckendorff seiner Heimat treu.

Veit Ludwig von Seckendorff wurde am 20. Dezember1626 zu Herzogenaurach bei Erlangen als Sohn des dortigenAmtmannes Joachim Ludwig von Seckendorff-Oberzenn undder Maria Anna Schertlin von Burtenbach, einer Verwandtendes berühmten Fleerführers gleichen Namens, geboren. In seineKinderjahre fielen die Ereignisse des dreißigjährigen Krieges: derVater wurde Offizier in Gustav Adolfs Diensten, und die Muttermußte mit den Kindern umherreisen. 1639 kamen sie nach Coburg ,wo Veit Ludwig Edelknabe bei Ernst dem Frommen wurde, den erdann auch nach Gotha begleitete. Dort besuchte er das Gymnasiumbis 1642; da traf ihn der harte Schlag: sein Vater war von denSchweden , die ihn des Konspirierens mit den Kaiserlichen be-schuldigten, enthauptet worden. Noch im selben Jahr bezog erdie Universität Straßburg, wo er Jura, Philosophie und Ge-schichte studierte. Er zweifelte aber, ob er Jurist oder Soldatwerden sollte, wurde auch bei dem Landgrafen von Hessen-Darmstadt Fähnrich, gab die Stelle jedoch bald auf und wandtesich wieder an Herzog Ernst. Von diesem 1646 zum Hofjunkerernannt, wurde er gleichzeitig Bibliothekar, sodaß sich ihm Ge-legenheit bot, seine Studien fortzusetzen, und hatte die Pflicht, fürseinen Herrn Aufsätze verschiedensten Inhalts zu machen. Wirsehen, wie es immer wieder die Hand des Fürsten ist, die seinen