Lebensweg leitet. So stieg er die Stufenleiter der Beamten-laufbahn hinauf. 1648 wurde er Kammerjunker, 1651 Hof- undJustizrat, 1655 Geheimer Hof- und Cammerrath und Vorsitzenderdes Kammerkollegiums, ging damit von der Justiz zur Ver-waltung über. In dieser Stellung verfaßte er 1656 den »TeutschenFürstenstaat« auf Veranlassung seines Herzogs und legtein ihm seine Gedanken über die Verwaltung nieder. Er wurdeder Ratgeber des Herzogs und 1663 nach dem Tode des KanzlersWilhelm von Schröder Vorsitzender des Geheimen Rats.Aber schon im Jahre 1664 bat er um seine Entlassung; was ihndazu veranlaßte, ist ungewiß. Die Überhäufung mit Amtsgeschäftenkann nicht der Grund gewesen sein, Pahner möchte den Übertrittseines Bruders Heinrich Gottlob in die Dienste des Pfalzgrafen Karl Ludwig als Ursache annehmen 2 ), ein Grund, den ich fürwenig ausschlaggebend halte. Trotzdem blieb das Verhältniszwischen Ernst und ihm gut. Im selben Jahre wurde er Kanzlerbei Moritz von Sachsen-Naumburg-Zeitz und machte sichhier ebenso wie in Gotha um das Land verdient. Nach dem Todedieses Fürsten 1681 legt er seine Ämter nieder und bezieht 1682sein mehrere Jahre vorher erworbenes Gut Meuselwitz , um, wieer es sich schon lange ersehnt hatte, seinen Studien leben zukönnen. Er wird Mitarbeiter der »Acta eruditorum«, für die erviele Rezensionen liefert, und pflegt einen eifrigen Verkehr mitden bedeutendsten Männern seiner Zeit, zählt Böcler, Danckelmann,Morhof, Pufendorf, Leibniz, Spener und Francke zu seinen Freun-den. »Mehr und mehr konzentrierte sich sein Interesse auf dieFrage nach dem Wert und Wesen praktischen Christentums« 3 ). Indiesem Geiste entstand 1685 der »Christenstaat« zur Verteidigungdes wahren Christentums; erfolgte die Übersetzung und VerteidigungSpenerscher Predigten. Kein Kameralist zeigt so viel theologischeFärbung wie Seckendorff; davon zeugt auch sein 1692 er-schienener »Commentarius historicus et apologeticus deLutheranismo seu de reformatione«, ein Werk, das »seinemNamen für alle Zeiten einen ehrenvollen Platz unter den Kirchen-historikern sichern wird« 4 ). Es war eine Erwiderung auf die Schmäh-schrift des Jesuiten Maimbourg, eine glänzende VerteidigungsschriftLuthers , die sich auf das denkbar größte Aktenmaterial stützenkonnte. Schon 1686 waren seine »Teutschen Reden« erschienen.Noch einmal aber sollte er aus der beschaulichen Ruhe in die volleÖffentlichkeit treten. 1691 ernannte ihn Kurfürst Friedrich III.von Brandenburg zum Geheimen Rat, im November befindet
Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 2 . 22
Zielenziger, Die alten deutschen KameraÜsten.