sich Seckendorff in Berlin , wo er sich überreden ließ, das Kanzler-amt der neugegründeten Universität Halle zu übernehmen. Vorallem sollte er den Streit zwischen August Hermann Francke undder Stadtgeistlichkeit schlichten. Mitten aus seiner vielseitigenTätigkeit rief ihn der Tod am 18. Dezember 1692 ab; am 30. wurdeer in Meuselwitz beigesetzt.
Die Trauer um den Verlust dieses bedeutenden Mannes warallgemein; das Empfinden der Zeitgenossen verstand ChristianThomasius in seiner Trauerrede bei der Feier zu Halle äußerstwirkungsvoll wiederzugeben: »Seckendorff ist todt: Ach leyderja:Der grosse / der gelehrte / der tugendhaffte / ja der GottesfürchtigeSeckendorff ist gestorben! Seckendorff ist todt! Ein Edelmann /den der große GOtt mit Fürstenmäßigen Tugenden ausgezieret:Die Zierde seines uralten und in die achthundert Jahr berühmtenHoch-Adelichen Geschlechts: Ein kluger Hoff mann / ohne falsch:Ein Ehrwürdiger Greiß / ohne Verdrießlichkeit: Ein mächtigerBeschützer / aber auch zugleich ein Edelstes Haupt der Gelehrten:Ein liebreicher Ehemann: Ein Vater der Waysen: Eine Zufluchtder Bedrängten: Ein Schutz seiner Diener und Unterthanen: DasVerlangen gantzer Länder / Chur - und Fürstenthümer: Ein red-licher Mann: Ein Feind des interessirten Geitzes: Ein Unterdrückerdes eiteln Hochmuths: Ein Bestreiter der verderblichen Wollust:Ein Widerwärtiger der unanständigen Schmeicheley: Und ein ab-gesagter geschworner Verfolger der verdamlichen Gottlosigkeit« 8 ).Wie klang das anders als bei Bechers Tode? Vom Fürsten , vonden Gelehrten, den Lernenden und dem Volk betrauert war Secken-dorff dahingegangen mit dem Ruhme, einer der Größten der Zeitgewesen zu sein.
Uns kann nur der Politiker Seckendorff interessieren,deshalb müssen wir unser Hauptinteresse auf sein politisches Haupt-werk, den »Fürstenstaat«, richten und werden, da wir den Theologenhier nicht zu würdigen haben, seinen »Christenstaat« nur insoweitheranziehen, als er mit unserem Thema übereinstimmt.
1. Teutscher Fürsten-Stat. 1656.
»Die bewegende Ursache / welche mich zu außfertigungdieses Tractats veranlasset / ist zum Theil eusserlich und vonsolchen Kräfften gewesen / deren ich nicht zu wiederstehen gewust:Denn alß auff gnädiges begehren eines vornehmen ReichsFürsten / deme ich so viel zu Diensten schuldig bin / alß inmeinem wenigen Vermögen stehet / ich erstmahls den Zustand