eines gewissen Fürstenthumbs / auff diese Art und Eintheilung / wiegegenwertiges Werck verfasset ist / beschrieben / ist mir darauffzugemuthet worden / solche Beschreibung ferner weit unnd alsoeinzurichten / daß sie sich auff ander Länder unnd Fürstenthümerauch bequemete / und darnechst zu öffentlichen Druck gebrachtwerden könte. Innerlich aber / und bey mir selbst hat michhierzu angefrischet / wenn ich betrachtet / wie wenig gründlicheNachricht von dergleichen Sachen vorhanden«, denn alle anderenBücher fragen wenig »nach den Umbständen einer Policey«. »Vor-längst hat zwar ein erfahrner Hoffmann Herr Löhneisen einWerk von dergleichen Stats-Regirung unnd Hoffsachen in Truckgefertigt / welches ich zwar dißmahl nicht beyhanden gehabt.«»Ich habe mir nicht fürgenommen eine Teutsche allgemeine Politicoder gewisse Regeln der Regiementer zu schreiben . . . sondernmein Zweck und Absehen ist auff den Zustand / der meistenTeutschen Fürstenthümer gerichtet gewesen / wie nemlich solchein ihrem und guten Zustand beschaffen zu seyn und Regieret zuwerden pflegen« 6 ).
Seckendorff unterrichtet uns in der Vorrede seines berühmtenWerkes über den Zweck seiner Schrift. Nach den Wirren desdreißigjährigen Krieges wurde in allen Staaten des deutschenReiches mit Reformen begonnen, denen man eine Umbildungder Verwaltung zugrunde legte. Dabei sollte der »Fürsten-Staat« helfen, sollte in dem Staat, den er vor Augen führte, allenanderen ein Modell bieten, wenn auch die Grundsätze der Augs-burgischen Konfession leitend waren. Deshalb schildert Secken-dorff diesen Staat nicht wie er ist, sondern wie er sein sollte;ist also nicht der vorurteilslose Wissenschaftler, sondern der wer-tende und wägende Politiker. Wie berechtigt sein Wagnis war,ersehen wir aus den begeisterten Kritiken, die man dem Werkerteilte; Osses »Testament « hatte Ähnliches genau hundert Jahrevorher versucht, es war unbekannt geblieben, und die »AulicoPolitica« von Georg Engelhard Löhneyß 1622*), auf die sichSeckendorff beruft, konnte selbst in einer Zeit kein Ansehen er-langen, die so gern einem unkritischen Eklektizismus huldigte undMeinung an Meinung ohne eigenes Urteil reihte. Da mußte einBuch wie das Seckendorffs Wunder wirken, wenn es auch selbstwenig tief ist und auf eigenes Urteil nur zu oft verzichtet. Mohlhat nicht unrecht, wenn er von ihm sagt: es »liegt ihm sehr ferne,
*) Über Löhneyß, den ich nicht zu den Kameralisten zählen kann, sieheden Excurs im Anhang.
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