über die höchsten Grundsätze der verschiedensten Staatsgattungen,über die ihnen zu Grunde liegenden Gedanken oder die zu ihrerErhaltung und ihrem Verderben gereichenden Ursachen seineMeinung zu sagen, selbst auch nur eine Meinung zu haben: aberer sagt fromm und ehrlich sein freies Wort, wie es etwa einemehrenfesten Geheimenrathe geziemt« 7 ). Deshalb konnte Roscherihn konservativ nennen, weil er von den alten Traditionen nurlangsam weichen wollte. Was will also Seckendorff mit seinem»Fürstenstaat«? Seine Absicht ist es, zu zeigen, wie die Ver-waltung einzurichten sei; sein Buch soll ein Lehrbuch für alleStaatsmänner werden. Auf dem Boden einer streng christlichenWeltanschauung postuliert er einen Scheinabsolutismus[»quasi-absolutism« sagt Small 8 )]: er will ein Patriarchat zwischenFürstund Volk errichten, deshalb verwirft er alle machiavelli-stischen Ideen, aber auch die rein absolutistischen, wie sieSchröder vertritt 9 ). Er glaubte, die Konzentrierung in mildererForm erreichen zu können: ist aber ebenso Eudämonist wie dieanderen Kameralisten. »Massen ich auch das Wort Stat, so ichauff dem Titul, und sonst mehrmahls gebraucht / mit keinem be-quemeren außzuwechseln gewust / denn obwol Stand und Stateinerley Bedeutung haben solten / so wird doch jenes mehr voneiner Persönlichen Beschaffenheit / oder ie in gemeinem Verständeauffgenommen. Gleichwol will ich mit solchem Wort Stat / dasjenige keines weges gemeinet haben / was darunter heute zu Tageöffters begrieffen / und fast keine Untrew / Schandthat und Leicht-fertigkeit zu nennen sein wird / die nicht an etlichen verkehrtenOrten / mit dem Stat / ratione Status, oder Statssachen entschul-digt werden will«*) 10 ).
Der »P'ürstenstaat« ist ein unglaublich eingehendesBuch, daß oft rein privatökonomisch den Haushalt eines reichenMannes bis ins kleinste Detail schildert, nur daß wir für den Be-griff »Haushalt« auch den des »Staates«, und für den des »reichenMannes« den des »Fürsten « einsetzen können. Daher läuft dasBuch die Gefahr, bisweilen zu einer Rezeptsammlung zu werden,und wir können nicht verstehen, wie man es einst als ein Wunder-
*) Bei Seckendorff erscheint das Wort »Staat « wohl damit zum erstenmal immodernen Sinn, analog dem italienischen »stato«, französisch »etat«, englisch »state«,hatte es doch bis dahin soviel wie »Zustand« bedeutet. Vgl. auch Bluntschli : DieLehre vom modernen Staat, Bd. I, S. 24. Daher ist die Angabe bei Heyne: DeutschesWörterbuch, 2. Aufl., Bd. III, 1906, Spalte 731 über Seckendorffs »Staats «-Begriffmeines Erachtens unrichtig.