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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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einen gewissen Ort zu bringen«, sie »denen Einheimischen denNutzen vor dem Maule wegnehmen« 23 ). »Die Negotien zu erhebenund befördern ist wohl kein füglicher Mittel / als . . . gewisseHandels-Compagnien sub Autoritate publica vor die Ein-heimischen zu etabliren« und sie mit den nötigen Kapitalien aus-zustatten, ferner Kanäle anzulegen. Diese Gesellschaften könnenihre Aufgaben viel eher verrichten als ein einzelner, und leichterund billiger einkaufen, besonders wenn sie über bares Geld ver-fügen. Wird der leichte Einkauf durch geringere Frachtkostennoch befördert, »so muß das Commercium dadurch den Ein-heimischen vor denen Frembden nothwendig zugebracht . . .werden« 24 ).

Der Hebung des Landes dienen auch Universitäten,Akademien und Gymnasien; werden doch durch sie viel Gelderim Lande behalten und gewonnen. Durch gelehrte Leute wirdder Ruhm der Universitäten erhöht. Es müssen aber alle Fakul-täten »vornehmlich in ihr gehöriges Centrum, woraus allesgeflossen / wieder geführet / und daraus profitiret werden: wel-ches Centrum aber nichts anders ist als GOtt / so sich durchdie heilige Schrifft und das opus Creationis offenbahret« -°). Des-halb ist »die Theologie cum Studio Physico nothwendig zu com-biniren«. Ebenso hat die juristische Fakultät darauf zu achten,daß die Justiz mehr mit Nächstenliebe als aus schnödem Interessegehandhabt wird, die medizinische aber, wie die Dinge erschaffen,»worinnen der Fluch / so alle Creata des gefallenen Menschenswegen tragen / bestehe«, und wie ihnen geholfen werden könne.Aufgabe der philosophischen Fakultät ist es, die Physik, die Politik,die Ethik zu pflegen und aus der Bibel zu deduzieren. Denn Leibist genau so gottes- und bibelgläubig wie die anderen Kame-ralisten. Den Universitäten folgen die Akademien, diesen dieGymnasien, die die Jugend in den klassischen Sprachen unter-weisen 2(i ).

Ein ganzes Kapitel widmet Leib der »Brau-Nahrung«, vonder er sich viel Vorteile für ein Land verspricht, wenn es eingutes Brauhaus und tüchtige Braumeister besitzt 27 ). Weit inter-essanter ist das Kapitel »Von Künstlern und geschicktenLeuten«, denn zur Erzielung einer heimischen Produktion bedurfteman der geeigneten Lehrmeister, deshalb setzte auch hier einWettkampf unter den Staaten ein, in dem jeder sie demandern entziehen wollte. Wie viel an ihnen gelegen sei, könneman an Frankreich erkennen, das dadurch zur Macht in Europa