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haben es hier also mit einer Girobank zu tun, während die Lehn-bank eine Depositen- und Lombardbank darstellt: »siegiebt. . . die darinnen niedergelegte Capitalien gegen ein billigesInteresse . . . auf gewisse Versicherung oder sichere Pfänder anmännigl. auf eine gewisse Zeit aus / und nimmt die Gelder nochumb ein leichteres von andern ä Credito auf.« Beide Banken sindsehr nützlich, sie erhalten die Ordnung im Handel und verschaffenjedem das nötige Geld 32 ). Leib will aber vom Bankwesen »keineweitläufftige Erzehlung thun«, sondern die Banken für sich selbstsprechen lassen. Daher läßt er die Hamburger »Banco-Ordnung«aus dem Jahre 1639 und die Nürnberger folgen 33 ), die zwar sehrinteressant sind, uns aber hier nichts angehen, weil wir nur seineStellungnahme zu betrachten haben.
Er erinnert daran, daß das »Banco-Geld« einer Bankgegen das einer andern variiert, dies »kömmt lediglich daraufan, daß entweder das Banco -Geld gleich anfangs auf eine fingirteund feste Müntze gesetzet ist / oder / daß die Negotia steigen /auch fallen / oder das Banco -Geld sonsten stark oder nicht gesuchetwird. Ingleichen daß die Banco -Zahlung nicht in Species-Geldernallezeit geschieht.« Leib hat hier sehr richtig beobachtet: dieBanken seiner Zeit schufen sich eine Großhandelswährungmit einer festen Basis, um den schlechten Münzverhältnissenwirksam begegnen zu können. So wurde in Hamburg die»Mark Banco« die Währung, eine ideale — »fingirte« nenntes Leib — Werteinheit von bestimmtem Silbergehalt im Gegen-satz zur allgemeinen Währung der »Mark Courant«. Nurwenn die Negotien sich ändern, also mit dem Schwanken von An-gebot und Nachfrage oder mit Änderungen im Silberpreise wirddie Bankwährung in Mitleidenschaft gezogen. Dazu kommen nochdie Schwankungen der Wechselkurse: »Wie denn bekanntist / daß der Cours aus Deutschland nach Holland / weil jens seinCommercium mit diesem nicht balanziren kan / ordinair höher / dasvon Holland nach Deutschland heraus aber allezeit geringer ist 34 ).Denen, die einwenden, daß die Lehnbank, weil sie viel Gelder auf-nehmen und bereit halten müßte, mehr Gefahren als Nutzen brächte,erwidert er, wenn es so wäre, hätten weder Engländer nochHolländer oder Hamburger sich so sehr um ihre Bank gekümmertund ihr zur Beseitigung aller Hindernisse auch das Münzwesenübertragen. Er konnte sich damals mit Recht auf diese Staatenberufen, von denen der ökonomische Fortschritt ausging. Anderemeinen, die Bank ruiniere den Handel, »sintemahl sich die Kauff-