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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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wisse Relationes« erstatten, wodurch unter ihnen ein lebhafterWettbewerb einsetzen, und die ganze Landesökonomie sich derschönsten Harmonie erfreuen würde, »zumahln die gantze Landes-Administration sich ohne diß auf ein mehrers nicht als dererRegenten Interesse, und ihrer Reiche und Länder Wohlseynresolviret« 57 ), wie er als echter Kameralist behauptet.

Um nicht nur in der Theorie, bei den »chimeriquen Dingen«zu bleiben, fügt er dem Diskurs noch ein »Kurtzes Project,Auf was Masse Ihro Röm. Käyserl. auch zu Hungarn undBoheim Königl. Maj. das See-Commercium vor andern er-heben . . . könne«, hinzu. Er vertritt hier ganz weltwirt-schaftliche Ideen. »Was ein insonderheit zu Wasser wohl ein-gerichtetes Commercium denen Puissances vor Avantage gebenkönne / davon leget das kleine sandigte Holland mit der dadurcherlangten / und seine Grösse weit übersteigenden Macht ein merck-würdiges Exempel dar«. Wie Becher weist auch er auf denNutzen des Seehandels hin, der Macht und Ansehen desKaiserreichs stärken würde, wenn »Ihro Kayserl. Maj. dasselbigenicht weniger durch ein gutes Reglement und fundamentale Ein-richtung in dem Fürstenthum Tergeste erheben« wollten 58 ). Erglaubt, daß Venedig dem jungen Seehafen Triest nicht schadenwürde. Nötig wäre es aber, zwei Punkte zu beachten: »Daß dasgantze Commercien-Wesen dahin dirigiret werde/ daß IhroKayserl. Maj. Reiche und Länder an auswärtige allezeit mehrcreditiren als debitiren mögen / oder / so lange dieses nichtseyn kan / das Debit und Credit möglichst balanciret werde«, und»daß denen Negotien mit Nachdruck unter die Arme gegriffenwerde«. Leib bleibt hier im Bereiche der Handelsbilanz undläßt den Warenverkehr allein den Ausschlag des Saldosgeben: »da das Debit ein offenbahres Kennzeichen einer sehrüblen Landes- oder Reichs-Disposition ist, und daß selbigesnicht so viel Wahren habe / noch von andern haben könne/ daß es solche mit Avantage umbsetzen / und sodann dieeingehenden Wahren mit denen ausgehenden sattsam balancirenkönne: sondern sein baares Geld vielmehr darbey zu setzen . . .müsse«. Es wäre leicht, das Land ins Kredit zu führen, wennseine »natürliche Fruchtbahrkeit nebst derer Unterthanen Geschick-lichkeit« voll ausgenützt würde. Künstler, Handwerker und Ge-lehrte müßten die unerkannten Schätze heben 59 ). Um den See-handel flott zu machen, sollte der Kaiser in Triest eine Asia-tische und eine Afrikanische Handelskompanie errichten