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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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werden«. Andere sehen die Ursachen der Verschlechterung in derVerwaltung, die die Prozesse verlängert, die meisten schieben dieSchuld auf die Advokaten. Aber er will der Ansicht nicht bei-pflichten, die die Anwälte nicht mehr zu den öffentlichen Ämternzulassen will, da gerade aus ihnen die tüchtigsten Beamten ge-wonnen würden. Denn die Gebrechen lägen, meint Leib, auf allenGebieten. Deshalb sollte man Richtern und Advokaten feste Be-soldungen geben. Die Abkürzung der Prozesse würde nur dieKosten häufen, und jener, der sie nicht aufbringen könnte, müßtenachgeben 54 ).

»Ich hoffe keiner sonderlichen Ausführung nöthig zu haben,«sagt Leib mit Recht, »wie sehr ein Land durch die schlechtenund geringhaltigen Müntzen / auch deren Devalvirung inSchaden und zurücke gesetzt werde«. Denn die schlechtenSorten schaffen nur Teuerung, daher soll die Obrigkeit guteMünzen einführen und zu einer Devalvation nur in der Notschreiten. Man mischt den Gold- und Silbermünzen zwar Kupferbei, weil die Legierung aber zu Fälschungen veranlaßt, soll manden Schlagschatz nicht in der Münze selbst suchen und auch guteScheidemünzen ausprägen. Den Einwurf, daß die Silberliefe-ranten nur den Vorteil hätten, begegnet er mit dem Vorschlagder Freiprägbarkeit, die schon Schröder verlangt hatte 65 ).

Zum Schluß bespricht Leib das Militärwesen, aber er zeigtsich hier nicht so weitblickend wie Seckendorff , er siehtnur die Schäden, die die »Soldatesca« anrichtet, denn das Landleidet durch die Werbungen, Einquartierungen, die Märsche unddie schlechte Kriegsdisziplin. Die Werbungen entziehen dem Landedie Mittel und die besten Arbeitskräfte; er will von einem Volks-heer nichts wissen, das für die Heimat kämpft, sondern das»Herren-lose / und anderes liederliches Gesinde« dünkt ihm gutgenug. Da die Einquartierungen das Land ausrauben, sollen sie»keinen Strich Landes mehr als den andern« berühren, den Soldatennichts mehr als die »Haußmanns-Kost« zugestanden werden. Auchdie Bürgerwachen hält er für schädlich 56 ), bekennt sich also alsrichtiger Soldatenfeind, merkwürdig genug in einer Zeit, in derjedes Ländchen in einer stehenden Armee das eine Hilfsmittel zurMacht erblickte.

Dem Fürsten , der »seine Landes-Oeconomie in eine guteHarmonie setzen und erhalten« wolle, empfiehlt Leib ein »Staats-Oraculum«, aus dem er genau den Zustand seines Landes ersehenkönne. Daher müßten alle Collegien alle Vierteljahr »ge-