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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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desgleichen kostbahre Gold- und Silber-seidene und andere Wahrennoch einmahl so hoch . .. beleget werden« 51 ). So konnte die Accisegleichzeitig soziale Zwecke erfüllen, indem sie den Ärmstendas Existenzminimum ließ und das Schwergewicht auf den Luxusder Reichen legte. Ein- und Ausfuhr will unser Autor nachden alten merkantilistischen Grundsätzen geregelt wissen: ex-portierte Manufakturen wie importierte Rohmaterialien sollten freibleiben, dagegen eingeführte Waren und ausgeführte Rohstoffedesto mehr belastet werden. Viktualien und Korn sollen aufdem Lande etwas besteuert werden, »so viel davon außer denenStädten consumiret wird«, »sintemahl der Bauer . . . zur Erhebungdes Landes Wohlfarth weiter nichts beyträget / als so ferne er mitseinen Früchten und Victualien eine Wohlfeilheit verursachet«.Man sollte daher seine Waren nach den Jahreszeiten behördlichtaxieren 62 ). Leib geht von dem sehr wichtigen Grundgedankenaus, daß der Wohlstand erst durch billige Nahrungsmittelbegründet werden kann, dann wäre es aber besser gewesen, denBauer gar nicht zu belasten, denn wenn er auch nur mit seinemKonsum getroffen werden sollte, so war es klar, daß er dieseSteuer auf die städtischen Verbraucher abwälzte, falls nicht derStaat ihm auch hier einen Riegel vorschob, was ja Leib befür-wortet.

Die Accise ist nach den einzelnen Ländern verschieden,weswegen Leib nur allgemeine Regeln geben will. Gegen siekönnte eingewandt werden, sie erfordere mehr Bediente als andereSteuern, sie belaste Mittelstand und Reiche zu sehr, treffe aberden kaum, der eine kleine Familie habe; auch verteure sie dieWaren. Doch will unser Autor alle diese Einwände nicht geltenlassen: er stellt sich auf die Seite Tenzels. Eine außerordent-liche Steuer wird in der Kopf- oder Vermögenssteuer ge-sucht, die aber die Untertanen belastet, weswegen sie nur inäußerster Not erhoben werden soll. Dagegen sollen die Fürsten Leibrenten einführen, so erhalten sie schnell die Geldmittel, unddie Reichen legen ihr Geld gut an 63 ). Er tritt also für ein volks-wirtschaftlich sehr wertvolles Mittel ein, das besonders dem Spar-sinn diente.

Wie die meisten anderen Kameralisten befaßt sich Leib auchmit dem Justiz wesen, über das viel geklagt werde. Vieleschreiben das Übel dem Römischen Recht zu, weil es so »ver-stricket« wäre. Das will er nicht glauben, könne doch »bey derjetzigen Jurisprudentz noch eine ziemliche Justitz ... administriret

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