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eine indirekte Steuer, die jeden traf, immer etwas Verlocken-des, brauchte sie doch auch nicht erst von den Ständen bewilligtzu werden. Die Accise wird entweder nur in den Städten auallen Konsum und Handel erhoben wie in Preußen , oder sie kanndurchs ganze Land gehen und dann nur auf wenig Artikelgelegt werden, als »wie die Churfürstl. Hannoverische / so nachdes Teutophili oder Königl. Preußischen Rathes Herrn D.Tentzels in der Goldgrube der Accise projektirten Inventionintroduciret ist« 50 )*). Die erstere Art befördert mehr die Manufak-turen, die andere die Commercien, so haben aber beide Unge-rechtigkeiten, denn Gewerbe und Handel sind »beyde vordie Seele des Landes / und Wurtzel alles Überflusses zu achten«.Um die Accise durchzuführen, will Leib die Untertanen in dreiKlassen teilen und »hiernach die Proportion nehmen«. Denn eswäre sehr ungerecht, »wenn der Arme allezeit so viel als derMittelmann / und dieser wiederum so viel als der Reiche oder derVerschwender tragen« sollte. Deswegen müssen Brot und andereLebensmittel frei bleiben, weil sonst eine allgemeine Teuerung ent-stünde, womit man die Manufakturen verderbe und unnötige Er-hebungskosten verursache. Ferner sollten die Lebensmittel für denMittelstand wie das Fleisch gering, aber die der Reichen wie»Taback / Brandewein / Aquavit, Wein / auch andere Delicatessen /
*) Leib mischt sich hier in den Streit um die Accise, der um die Wendedes 17. Jahrhunderts einsetzte; die Schäden des dreißigjährigen Krieges gaben ja reichlichStoff zu finanziellen Debatten. Wenn auch die Autoren dieser interessanten Accise-Schriften den gleichen Gedanken huldigen wie die Kameralisten, fehlenihnen doch zuviel Momente, um sie dazu zu rechnen (vgl. I, S. 92), sie be-handelten auch nur eine einzige Frage, wenn auch gerade durch solche Diskussiondie Finanzwissenschaft inauguriert wurde. Der Streit ging aus von ChristianusTeutophilus »Entdeckte Goldgrube in der Accise«, Zerbst 1685, der Verfasserwar der Halberstädtische Steuerrat, spätere Haller Syndikus Tenzel; er fordert eineUniversalaccise von den nötigsten Gegenständen in den Städten und auf dem Land.Ihm widerspricht die »Geprüfte Goldgrube der Universalaccise«, Dresden 1687;der Verfasser ist unbekannt, er will eine Immobiliar- und Personalsteuer erheben. Diesebeiden Schriften kannte Leib wohl, nach seinem Werke erschienen sie in 2. Auflageund gleichzeitig einige neue; »Kurze Beschreibung von der Accise«, Leipzig 1717;»Nichts besseres als eine Accise, wenn man nur will: nichts böseres alsdie Accise, wenn man nicht will« von C. v. H. G. , d. i. G. Christoph vonHappe, Augsburg 17171 »Untersuchung der Klagen über die Accise«,Leipzig 1718 und »Beantwortung des Vortrabs oder Untersuchung dererKlagen über die Accise«, Frankfurt u. Leipzig 1718. Vgl. v. Inama-Sternegg:Der Accisestreit deutscher Finanztheoretiker im 17. und 18. Jahrhundert, Tüb. Zeitschr.Bd. 21, 1865; ferner Roscher a. a. O. S. 319 ff.; Zincke: Leipziger Sammlung VIII,738 ff., und Cameralist. Bibi. HI. Th., 820/21.