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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
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Der Einfluß der Österreicher ist auch bei Lau unverkennbar, unddoch weist er viele interessante originelle Züge auf. Es ist nichtdie sittliche Größe, die ihn auszeichnet wie jene; die Merkantilistenwaren zu sehr Absolutisten geworden, und aus der freien stolzenMännlichkeit ward nur zu leicht schranzenhafte Unterwürfigkeit,Was er will, sagen die Titel seiner Werke: Monarchen, Länderund Untertanen reich und mächtig machen, ganz wie alle Kame-ralisten. Vor ihnen hat er eine umfassende Belesenheit vorausund stützt sich bei seinen Behauptungen stets auf die Äußerungenzeitgenössischer fremder Schriftsteller, so daß wir hier deutlich denEinfluß des Auslandes auf die kameralistische Literatur beob-achten können.

Theodor Ludwig Lau wurde am 15. Juni 1670 [ichfolge den Angaben Jöchers 1 )] als Sohn des Professors juris undRats Dr. Philipp Lau in Königsberg i. Pr. geboren, studierte

1655 edirten Diseurs citirt.« Ich ermittelte nun das Vorhandensein der »Poli-tischen Gedanken« auf den Kgl. Universitätsbibliotheken in Breslau und Mar-burg ; bei der Ausgabe letzterer Bibliothek fand sich angeheftet der »Entwurff«.Ihr Inhalt war so kameralistisch, daß es galt, den Autor ausfindig zu machen.Auch fand ich das Werk des Vaters von ihm wirklich zitiert. Aber dies zu ermitteln,um so den Namen des Sohnes zu erfahren, mißlang. Da fand ich bei sorgfältigsterDurchsicht von Bibliographien in Bergius Cameralisten Bibliothek, Seite 409,unter »Policey« § 2: Lau, Theod. Lud., Entwurff einer wohleingerichtetenPolicey, 8. Frankfurt , 1717. Roscher bestätigte mir (S. 379) die Existenz diesesAutors, auch fand ich ihn bei Small (S. 173/74, 225/26) und von Zincke in Bechers»Polit. Diseurs«, Bd. II, und in der Leipz. Sammlg. (I, 188; V, 416 ff u. a.) mehrfacherwähnt. Keiner dieser Autoren aber nannte die beiden von mir ermittelten Schriften.Da auch die »Allgemeine Deutsche Biographie« und wie bei Leib die zeitgenössischenGelehrtenlexika versagten, nahm ich Jöchers Gelehrtenlexikon, 1750, zu Hilfeund fand hier in Bd. II meine Vermutungen bestätigt; wir finden dort, Spalte 2293/94:»Lau, Philipp, ein Jctus, geboren 1622 zu Tilsit , zu Königsberg Professor Juris«starb 1682, »Man hat von ihm Discursum politicum in sententiam Macchiavelli lib.II. c. 10 pecunia non est nervus belli«, das war also die »Schrift des Vaters« (»Polit.Gedanken«, S. 11); und weiter sehen wir dort; »Lau, Theodor Ludwig, ein Jctusund D. Philipp Lauens Sohn«, unter seinen Werken aufgezählt finden sich: »poli-tische Gedanken, wie Souverainen mit den Einwohnern ihrer Reiche mächtig und reichsein können und werden«, ferner »Entwurf einer wohlregulirten Policey«. Damit istalso für diese typisch kameralistischen Schriften der Autor einwandfrei festgestellt.Eine Bestätigung für meine Feststellung fand ich nachträglich noch in ZinckesCameralisten-Bibliothek, wo er I, 217 schreibt: »Der Kntwurf der Policey istauch in 8 besonders gedruckt«, und ihn II. 458/59 bespricht. Ebenso bei Lau selbstin seinem »Aufrichtigen Vorschlag« etc., 1719, S. 225: »Die Manufacturen nebstden Commercien / und fiirnehmlich die letztere: zwo Haupt-Canäle seyn / ein Land mitGeld auszufüllen / habe in meinen Politischen Gedancken . . . bereits angemercket.« Ineiner Fußnote bemerkt er noch darüber: »Gedruckt zu Franckfurt am Mayn 1717.«