Druckschrift 
Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
399
Einzelbild herunterladen
 

Geiz ausarten, denn »Monarchen und die gantze Götter-Assembleederer Fürsten .... haben dieses .... zu regardiren, damit / indemSie selbige / wider die Regulas Oeconomiae Regum & Principuumzu sehr einschrencken wollen: nicht hingegen auf das odieuse Ex-tremum der Geldsucht und damit zugleich unter die geschärfftenSpötter-Zungen der critisirenden und medisanten Welt .... ge-rathen mögen« 27 ). Denn wenn auch zu große Ausgaben denHerren und dem Lande schaden, so ist eine übermäßige Spar-samkeit der Fürsten eher noch schlimmer: »mittelst welcherSie / Ihre Revenüen / durch Millionen zwar aufzuschwellensuchen / selbige aber in unterirdischen Schwiebogen und tieffenKellern .... unter dem scheinbahren .... Titul von einem Tresorde lEpargne , zu vergraben gedencken«. Denn, meint er, »durchIhre unmässige und prodigale Ausgaben werden in gewisserMaass / gleichwohl ihre Länder / Bedienten und Unterthanenverbessert und bereichert: durch die nimia & indecenti Parsi-monia im Gegenteil accressiret weder Ihnen noch Ihren Leuthen /ein wahrer und essentieller Nutzen sondern vielmehr ein merck-licher und unersetzlicher Schaden« 28 ). Die volkswirtschaftlicheEinsicht, daß das Sparen der Kapitalbildung dient, fehlt ihmnoch völlig, im Gegenteil, er denkt, daß zu große Sparsamkeit»des Landes-Capital, umb ein considerables Theil« verringere,zum Andern / das baare Geld aus dem täglichen Gewerb weg-nehmen: Drittens / dessen Circulirung / welche in perpetuo motuseyn solte / hemmen: Viertens den Land-Leuthen / Manufacturiers,und Negotianten / die Consumtion und Nahrung hindern« könne,ja daß sie diese zu »armen Bettlern« mache. Die Fürsten dürfeman nicht »wegen ihrer ramassirten Tresors und mit vielemGeld angefüllte Rent-Cammern« für reich halten, sondern»wann über Reiche Völker und Provincien /Sie Ihr Impe-rium & Dominium zu exerciren haben« 29 ). Das ist eine An-schauung, wie sie alle Kameralisten vertreten, Lau führt als BelegStellen aus ausländischen Schriftstellern an, sollte er die deutschen,als deren Schüler er sich immer wieder zeigt, nicht gekannt haben?Die Regenten müssen zwischen Sparsamkeit und Geiz die Balancehalten und dessen eingedenk sein, daß sie »Fürstmässig spahren /dabey Fürstmässig leben«, und nicht »in Leblose Goldklumpensich verlieben sollen«. Ihre Pflicht ist es, all die Einkünfte ausden sechs Kanälen gut zu »beäugen«, aber sie dann »wieder zurückin den Oceanum der Commercirenden Welt« fließen zu lassen 30 ).

Lau will es hier unterlassen, die Anwendung der sechs Mittel