Erde; und je mehr davon steril liegend / unter den Schlössernverwahret / schimmelt und aus dem Commercio weggenommenwird: je stärker wird dadurch aller Handel und Wandelgeschwächet und verhindert« 23 ). —
Diese Stelle erscheint mir als der Höhepunkt des ganzenWerkes, und schon um ihretwillen verdiente Lau der Vergessen-heit entrissen zu werden. Es war schon lange behauptet worden,zuerst wohl von Bidermann, daß den Merkantilisten dasGeld nicht als identisch mit dem Reichtum, sondern als Ver-kehrsmittel galt. Wir finden als Beleg dafür bei den meistenMerkantilisten Andeutungen, bald ist es bei den deutschen Autorendieser Bewegung das »pendulum des estats«, bald »Nerv und Seel«von Handel und Wandel — hier aber haben wir zum ersten-mal eine theoretische Formel über das Geld, mag sie rich-tig oder falsch sein, jedenfalls beweist sie deutlich, daß nurdarin der Wert des Geldes liegt, daß es ein Verkehrsmittelist zur Belebung jeglicher Produktion, nicht aber in der An-häufung möglichst vielen Edelmetalls, wie die SmithscheSchule behauptet. Im Gegenteil: das Geld im Kasten ist eine»Todte inutile Erde«. Auch hier hat Lau seinen Gewährsmann,er findet ihn in John Locke : »For nach des Locks Raisonnement:the true Value of Money is, vvhen it passes from one to anotherin Buying and Selling«. Noch einmal sagt er mahnend: »Müssenalso Potentaten dahin trachten: nicht Todte sondern leben-dige Schätze / zu Ihrer und Ihrer Reiche Wohlfahrt zu be-sitzen«. Schätze sollen sie ihnen zwar für den Fall der Not sein»lebendige hingegen müssen sie auch seyn wegen ihrer un-endlichen Circulirung: umb mittler Zeit / Ihren Herrn undBesitzern / Fruchtbahre Interesse & Augmenta in dies majora aufTausendfache Art einzubringen« 24 ).
Zuletzt empfiehlt Lau noch ein unsichtbares Mittel: »DerSechste und letzte Canal ist die Sparsamkeit« 25 ). Child,Hobbes , vor allem Mothe le Vayer empfehlen sie als wahreQuelle des Reichtums: »Dieses kluge Zu-Rat-Halten ist um sonotwendiger, je besser die anderen Canäle in Stand sind, dennwas nützten sonst alle Reichtümer, wenn sie doch gleich verzehrtwürden? Darum muß die Sparsamkeit »zum Ober-Steuer-Mann / Ober-Hoff-Meister und General Praesident« 26 ) den Fürsten dienen. Diese Mahnung war zur damaligen Zeit gewiß nicht un-berechtigt, meinte doch auch schon Obrecht: »Die beste Steuerist die Sparsamkeit« (s. ob. S. 179). Aber keinesfalls soll sie in