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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
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Schluß.

Mit Lau können wir die Reihe der alten deutschenKameralisten beschließen. Wir würden vielleicht noch man-chen Autor finden, den wir ihnen zuzählen könnten, ich denkebesonders an Johann Georg Fördrer Edlen von Richtenfels,dessen »Politischer Lustgarten eines Regenten«, 1709, eigentlich»Baden über alles« heißen könnte, vielleicht noch an MichaelPraun mit seinem »Paradoxon Politicum. Ein vollkommener Staats-Rath ist ein Phönix«, 1685, oder an Eberhardt Wassenbergden Roscher fälschlich Wasserburg nennt, der ein Buch»Frantzösische Goldgrube« schrieb, aber alle diese Schriftstellersagen uns nichts Neues mehr: wir können keine Entwicklungkonstatieren.

Doch als im Jahre 1727 in Halle und Frankfurt a. O. dieersten kameralistischen Professuren errichtet wurden, warenzweihundert Jahre mühseligen Strebens und Wirkens imdeutschen Wirtschaftsleben dahingegangen seit jenen Tagen, daum die Münze die ersten volkswirtschaftlichen Debattenbegannen. Aus all den einzelnen Samenkörnern war eine üppigeSaat aufgeschossen; was einst in schüchternen Versuchen gewagtworden war, gehörte zum deutschen Gemeingut: auf den Lehrender Männer der Vergangenheit baute sich eine neue Disziplin auf,die alten Kameralisten hatten dem neuen Kameralismuszum Werden verholfen; was ihnen nur Mittel zum Zweck war,das wird nun Ziel. Die gelegentliche Betrachtung der Wirtschafts-gestaltung soll jetzt systematisch betrieben werden. Den Höhe-punkt der alten Kameralisten bezeichnen die drei großenÖsterreicher und Seckendorff . Eine reiche Literatur folgtihren Spuren. Der Merkantilismus war allmächtig geworden,überall in Europa huldigte man seiner Tendenz: die Stimmen derWarner waren nicht ungehört geblieben. So vertreten auch alle