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ihre schönen Gefühle für Frankreich an die Oesfentlichkeit zu bringen.Es schmeichelte ihnen, mit diesem, wenn auch heruntergekommenen,vornehmen Herrn Arm in Arm über die Straße zu gehen, beson-ders da ihn die Umstände veranlaßten, jetzt so äußerst herablassendgegen sie zu sein. Wer in irgend ein Blatt eine Huldigung ein-rückte, konnte gewiß sein, mit einer gnädigen Anerkennung belohntzu werden. Mancher dachte bei sich, er werfe die Wurst nach derSpeckseite und werde in wieder besseren Tagen dafür auch bei derhohen Herrschaft um so besser angeschrieben sein. Dieselbe Rollewie die Franzosen unter ihren Mitvölkern spielt Paris in Frank-reich . Es war der Aristokrat, bewußt seiner höhern Abstammung,seiner Ueberlegenheit und von den anderen darob entsprechend ver-ehrt. Paris ertrug die Verlegenheiten und Prüfungen, denen esausgesetzt war, mit der Eleganz, der Fassung und der vvrnehmeuVerachtung eines vornehmen Herrn, der sich ins Unvermeidliche zuschicken weiß und um keinen Preis der Canaille das Schauspielgönnen will, sich an seiner Herabwürdigung zu ergötzen. Es liegtalles Gute und alles Falsche, alles Nützliche und alles Eitle indieser Haltung, was dem aristokratischen Wesen zukommt. Ver-dorben wird nur viel darau durch die unersättliche Begierde nachBewunderung, welche in jedem Wort, in jeder Geberde sich Luftmacht. Seit drei Monaten schreibt kein Pariser einen Brief odereinen Artikel, worin nicht wenigstens dreimal vorkommt, wie ack-rnii^dle er und seines Gleichen seien. Alle Proclamationen derBehörden schließen mit der bereits stehend gewordenen Formel:daß jedenfalls Paris , wenn es auch nichts anderes erreicht, derWelt die höchste Bewunderung bis zuletzt abnöthigen werde.*) Paris
*) Und getreu diesem System verkündet jetzt nach allen schmähiichen De-müthigungen der communalistischen Epoche Thiers von Neuem der Welt die Glorieder Stadt und der Armee, „zu welcher die Welt bewundernd emporschaut!"