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Zur Naturgeschichte des französischen Krieges / Ludwig Bamberger
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hat die Entbehrung des Ochsenfleisches, des Leuchtgases, der Butterund anderer civilisirten Bedürfnisse ertrageil ohne zu jammern, undsich dafür mit dem Bewußtsein getröstet, daß die Welt anbetendvor ihm im Staube liege. Der Entbehrung des Mehls und desBrennstoffes konnte es natürlich nicht Stand halten. In Wahr-heit haben die Bewohner des übrigen Frankreichs für ihren ver-zweifelten Widerstand viel mehr Anspruch auf Anerkennung als dieeigentlichen Pariser der Boulevards, welche die Glorie für sich ab-rahmen. Aber so will es die aristokratische Stellung der Haupt-stadt. Paris muß die Lorbeeren ernten. Für Paris lassen sichdie Provinzen abschlachten. Gambetta war das für die Provinzfleischgewordene Paris. Ohne die Losung von Paris hätte in derProvinz längst die Vernunft zur Nachgiebigkeit gerathen. Paris dictirte die famose Formel:Nicht einen Stein, nicht eine Scholle!"Dies ist der Wahlspruch des alten Frankreichs , des Aristokratenunter den Völkern, der lieber sich verblutet, als daß er den An-spruch auf seine Vorrechte, Unverletzlichkeit, Unbesiegbarkeit aufgebe.Leopold de Gaillard, der bekannte Redacteur der legitimistischenRevueLe Correspondant", schreibt in einem offenen Briefe vom9. Januar ä. ä. wörtlich:Andere Nationen können sich bald inihre Niederlagen finden und ihr Prestige überleben; Frankreich kann dies nicht. Man weiß zu gut und es selbst weiß es auchzu gut, das Geheimniß seiner Kraft liegt in der Vorstellung seinerUeberlegenheit, die es sich und andern beigebracht hat." Derwahre Franzose ist noch nie besiegt worden. Fünfzig Jahre langgalt es ihm für ausgemacht, daß er die Schlacht von Waterlooohne Grouchy's Verrath gewonnen hätte. Wenn nichts mehr seinSelbstbewußtsein rettet, schiebt er es auf den Verrath. Zuletzt ver-rathen ihn die Götter selbst.Die Wissenschaft," sagte Gambettain der Rede zu Bordeaux ,mittelst deren die Deutschen uns be-