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siegen, sie haben sie uns gestohlen, ils nous 1'ont cksi-obss." Selbstin der Mathematik sind sie verrathen worden. Die Franzosen sindtapfer und patriotisch, andere Völker waren es vor ihnen undwerden es nach ihuen sein, aber im Punkte der Eitelkeit und Selbst-vergötterung sind und bleiben sie unerreicht. Ihrer verletzten Eitel-keit sind alle Ausschreitungen uud Thorheiten, deren sie sich indiesem Kriege schuldig gemacht, zuzuschreiben, und ihr entsetzlichesSchicksal würde noch viel mehr Mitleid einflößen müssen, wenndiese unausrottbare Selbstvergötterung uicht alles Elend und alleNiederlagen überlebt und mitten unter den traurigsten Bilden? soviele burleske geliefert hätte. Das alte Fraukreich lebt und stirbtmit der Formel der unverletzlichen Grenze, des heiligen Paris .Die Gambetta-Republik, indem sie diese Formel zuerst an ihreFahne genagelt und festgehalten, offenbarte sich als der Kampfdes Alten gegen das Neue. Ein neugeborenes Frankreich würdevon der Erkenntniß ausgehen, daß die Nation ihre Kraft weder inder Unentreißbarkeit des Elsasses noch in der Suprematie von Paris hat, nicht, mit einem Wort, in ihrer alten aristokratischen Über-legenheit über Europa , sondern in eigener Tüchtigkeit und innererVollendung. Deutschland ist der dritte Stand, um dessen Gleich-berechtigung jetzt gegen Frankreich gekämpft wird. In Paris sitztdie Romantik katholischen Geblüts/) in Versailles d. h. im deut-schen Hauptquartier der Radicalismus eines neuen Emporkömmlings.Paris ist die Bastille, die gestürmt wird, Favre und Gambetta ver-treten die Legitimität, Wilhelm uud Bismarck die Revolution. Dasklingt paradox, aber es ist doch so.
*) Wie richtig diese Diagnose im Punkte des katholischen Elementes war,hat seitdem sich bereits zur Genüge enthüllt und wird noch mehr zu Tagekommen.