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Zur Naturgeschichte des französischen Krieges / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
58
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III.

Es heißt, der Krieg sei begonnen worden ohne genugendeVorbereitung, und Niemand erklärt sich das Räthsel, wieso geradediejenige Voraussetzung, welche nothwendig jeder für die bestim-mende Triebfeder zum französischen Angriff hielt, die endlich vol-lendete Kriegsbereitschaft nämlich,, sich als nichtig erweisen konnte.Aber auch diese Frage braucht nur richtig gestellt zu werden, umihre richtige Beantwortung zu finden. Es ist ein Irrthum, daßdie Rüstungen nicht vollendet gewesen seien. Sie waren so weitgediehen, wie sie bei dem obwaltenden Schlendrian und Leichtsinnoben und unten überhaupt gedeihen konnten. Es war nicht dieZeit, die gefehlt hatte. Ein Jahr oder zwei später hätte man sichwahrscheinlich bei fortdauernden Kriegsabsichteu nicht besser gerüstetbefunden als im Juli 1870. Es waren gezogene Kanonen undChassepots genug für die ganze Armee vorhanden, Mitrailleufen ingroßer Zahl, die Truppen, welche bei Ausbruch des Kriegs insFeld rückten, und die wir nach Gefangenen und Todten auf wenig-stens 500,000 Mann berechnen können, erreichten das Effectiv vonallen früher für diesen Fall aufgestellten Ziffern, die für das ersteKriegsaufgebot nie mehr als 635,000 Mann auf dem Papier er-gaben. Die Mobilgarde war nicht vorbereitet, weil der ganzePlan überhaupt ins Wasser gefallen und vor dem Massenaufgebotnie wieder zu belebeil war. Nicht Mangel au Zeit, sondernMangel an Ernst, Arbeit und Gewissenhaftigkeit in der Ausführungwaren die organischen Gebrechen, an welchen die ganze Heeres-leitung laborirte. Der frivole Leichtsinn, mit welchem die herr-schenden Classen in den Krieg gingen, zog sich durch die Reihenaller Betheiligteil, vom obersten Generalstabschef bis zum lumpigstenBörsenspeenlanten, welcher in die Marseillaise mit einstimmte. Was