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benützt, um mit seinem Excellenztitel eine reiche Erbin an sich zufesseln. Solche auf diesem Boden durchschlagende Mittel fordertenden Widerstand der Benachtheiligten heraus. Nicht der Kaiser warbedroht, die Kaiserlichen waren es. Als sie das Plebiscit, ihreeigentliche Höllenmaschine, durchsetzten, war der Beweis noch nichterbracht, daß das liberale Empire nicht bestehen könne, aber ihreeigene Partei war in die Enge getrieben, und sie sahen — umauch ihnen den denkbaren Anspruch auf Ehrlichkeit nicht zu ver-kürzen — ohne Zweifel im Zusammensturz ihrer persönlichen Macht-stellung neben dem Thron das untrügliche Vorzeichen des stürzendenThrones selbst. Die Kaiserin konnte den Emporkömmling Olliviernicht ausstehen, welcher sich die Genüsse der vfficiellen Glorie nochzu würzen suchte durch die Affectation, mit der er in den Hof-cirkeln auch den Stolz des schlichten Bürgerlichen herauskehrte.Um die Kaiserin schaarten sich die Unzufriedenen. Das Cvmplottdes Plebiscits, so ganz gemacht, dem Kaiser zu gefallen, gelang.Ollivier, statt sich mit Büffet, Daru und Talhoust abdrängen zulassen, blieb am Leim des Portefeuille's kleben, konnte sich nichttrennen von der kaum erklommenen Stellung, gerieth unter dieBotmäßigkeit der Hofpartei uud mußte das schmähliche Schicksalerleben, daß er zum köpf- und willenlosen Werkzeug eines Davidund Gramont herabsank, um für immer seinen Namen an diegräßlichste That des Jahrhunderts zu fesseln, er, der emporgekommenwar als der Anwalt friedlicher Versöhnung zwischen Dynastie undFortschritt, zwischen Frankreich und Deutschland . Nie hatte derGlanz äußerer Machtstellung einen talentvollen Menschen so jähgeblendet und zum Abgrund geführt.