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Zur Naturgeschichte des französischen Krieges / Ludwig Bamberger
Entstehung
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rischen Unwahrheiten dürfe» wir auch hier nicht anstehen, uns fürdiejenige Species von Vcrirrung zu erklären, welche unter Selbst-belügung verstanden wird. Die Gattung ist dieselbe, nur die Artverschieden, und auch da spielen so viele Kreuzungen in einander,daß es kaum der Mühe lvhncn dürfte, sich um etwaigen Einspruchswillen aufzuhalten. Denen, welche der Thesis der absichtlichen,bewußten Lüge ihre Rechtsansprüche wahren wollen, sei dieser ihrVorbehalt eingeräumt. Auf Schuld oder Unschuld kommt es unsja nicht an. Es handelt sich um Krankheit, und nicht um Sünde.Hiebei denken wir jedoch nur au die Masse und ihre dunklen Triebe.Daß die Regierungen und ihre Werkzeuge das Lügen mit vollemBewußtsein handwerksmäßig betreiben, beweist der Augenschein.Vor allem stoßt uns eine Betrachtung auf. Es erklärt sich jetzt,wie die Regierungen, welche am meisten Gehorsam fanden, syste-matisch das Lügen als ein Regierungsmittcl handhaben konnten.So etwas ist nur möglich, wenn ihm eine entsprechende Anlage imPolkscharakter entgegenkommt. Nur wer sich so gern selbst belügt,ist auch gemacht, systematisch und mit Erfolg belogen zu werden.Beide Kaiser waren ja keine Franzosen, weder von Geblüt nochvon Naturell. Darum konnten sie die Fehler der Nation vielkünstlicher ausnützen, als einer aus deren Mitte. Die republi-kanischen Siegesbulletins von der Zeit nach Sedan sind nur Pla-giate des imperialistischen Styls. Der Grundsatz der Regiernngs-kunst, aus Täuschung Kraft saugen zu wollen, ist derselbe geblieben,ja in noch viel stärkerem Maße zur Anwendung gekommen.

Gleich in der ersten Minute der Geburt kam dieser Krieg alsLüge zur Welt. Eiuer so aberwitzigen Erfindung entsprang er,daß diese vermöge ihrer Abgeschmacktheit sofort in Vergessenheitgerieth. Wer denkt heute noch an Hohenzollerns Anspruch auf diespanische Krone? Das Gedächtniß weigert sich, solch schlechten Reim