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Zur Naturgeschichte des französischen Krieges / Ludwig Bamberger
Entstehung
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festzuhalten. Man muß sich besinnen, um wieder damit anzufangen.Noch schwebt Dunkel über dem Ursprung der Fabel: Ob sie einevon vornherein mit Hülfe sämmtlicher Hauptmitspieler augelegteKomödie war, oder ob sie nur vou den ungeduldig Wartenden mitHast im Vorübersliegen ergriffen wurde? Ueber dieseu Theil derVerantwortlichkeit und der Intrigue, welcher historisch uud psycho-logisch nichts weniger als gleichgültig ist, dürfen wir hoffen, innicht ferner Zeit einmal etwas genaueres zu erfahren. Conjccturenhätten hier eiu reiches Feld. Weun wir aber auch gauz von derMöglichkeit abstrahiren, daß der willkommene Kriegsvorwand ab-sichtlich herbeigeführt worden, so können wir nicht die gleich ent-haltsame Stellung einnehmen gegenüber dem überrascht thuendenAufbrausen, mit welchem das Cabinet Gramont die bewußte an-gebliche Enthüllung aufnahm. Bei der Unzahl von Mittelsmännernuntergeordneter Art, welche in Sachen der Leopold'schen Candidaturzwischen Spanien uud Deutschland über Frankreich reisten, bei denvielfältigen Verbindungen zwischen Madrid und Paris ist es vonvornherein im höchsten Grade unwahrscheinlich, daß der kaiserlicheHof, dazu noch bei seinem intimen Verkehr mit dem der flüchtigenKönigin, von dem ganzen Verlauf wochenlang keine Witterung solltebekommen haben. Gerade derlei Klatsch aufzuspüren und zu sammeln,ist ja die Stärke der diplomatischen Vertreter Frankreichs gewesen.Auch mußte Mereier de Lostende, wem: er sich so sträflicher Unwissen-heit schuldig gemacht hatte, sofort nach der Entdeckung ab berufenwerden. Statt dessen ließ man ihn ruhig auf seinem Posten, ohneZweifel um so mehr, als die augenblicklichen Erfordernisse deskleinen Jntriguenstückes ihm die Pflicht auserlegteu, die Rolle desGefoppteu zu spielen, und sich darob' eine Weile selbst von den offi-eiösen französischen Blättern hänseln zu lassen. Solche Dulder-leistung mußte schließlich doch wenigstens mit Erhaltung in Am