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die preußische Kriegsführung so über die Maßeu auszeichnet, dasruhelose Verfolgen jeder Aufgabe bis in ihre geringste Einzelheit, dasZuendedenken jedes Vorhabens bis in den letzten Stift der dazunöthigen Anstalten, das gewissenhafte Nachsehen und Selbstsorgen,mit dem Hoch und Niedrig sich Tag und Nacht abquält, wobeijeder nur auf sich zählt und darum so felsenfest auf den andernzählen kann, mit einem Wort, das Mark und Bein durchdrin-gende Pflichtgefühl war dort ungefähr in sein Gegentheil umge-kehrt. Der Leichtsinn, die Lebsucht, die Unwissenheit und besondersdie Verachtung des Feindes im Bunde mit der Selbstverherrlichungbettete Groß wie Klein auch bei halber Arbeit auf bequeme Ruhe-polster. ' Der Kaiser, ein phlegmatischer, ermatteter Lebemann, ver-ließ sich auf seinen Kriegsminister, dieser auf seine Bureauchefs undso fort herab bis. zum Unterintendanten jedes Regiments. Nichtdas Material fehlte, sondern die richtige Handhabung; nicht vonunten fehlte es, sondern von oben. Und auch dieser Umstand ver-dient mit in Betracht gezogen zu werden, wenn die Frage nachder Verantwortlichkeit für den Angriff gestellt wird. Aus allem,was wir bereits gesammelt haben, wie aus dem, was wir nochsammeln werden, ergibt sich nach und nach, daß es vorzugsweisedie oberen und mittleren Schichten der Gesellschaft waren, welchedas Unselige verschuldet haben. Nicht das Volk der Massen warvom Wahn der nationalen Eifer- und Ruhmsucht ergriffen. Es folgtenur mit seinen wüsten Umwälzungstrieben dem Impuls, der ihm vonoben gegeben wurde. Vor allen Dingen dem göttlichen Paris , d. i. den .geräuschvollen, schreienden, ruhmredigen, eitlen, emotionsbedürftigenund tonangebenden Schaaren feines zeitungschreibenden und zeitung-lesenden Publieums. Diese schloffen aus dem Auftreten der Regierung,„man sei fertig, ^u.'on statt xröt," wie die Formel lautete, und freutensich auf die großen Illuminationen, die siegreichen Einzüge der von