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Gerade dieser höchste Vorzug des Staatsmannes, das Inter-esse der nächsten Umgebung in das Gesichtsfeld der allgemeinenInteressen zu rücken, der findet sich in hohem Grade in jenerDenkschrift.
«Deutschland — so heifst es an einer Stelle — hat5 oder 6 Häfen an der Nordsee, doppelt so viel an derOstsee , und die ganze übrige Masse des Landes und derBevölkerung steht den eigentlichen Rhedereiinteressenfern. Unter solchen Umständen wird man doppelt sichhüten müssen, durch Begünstigung der Rhederei demLande eine Last aufzubürden. Eine solche Bebiirdungist aber unvermeidlich, wenn die eigene Rhederei beialler Ausdehnung, die sie gewonnen hat, doch nicht grofsgenug ist, um die Frachten so niedrig zu stellen, wie dieMitwirkung der fremden Flaggen sie stellt. Die Aus-schliefsung der fremden Flaggen, entweder unerreichbaroder fast wirkungslos, würde, wenn dennoch erreicht undwirksam gemacht, nur dahin wirken können, die Frachtender deutschen Schiffe zu steigern; es würde also der Ge-winn, den man dem Lande zugedacht hat, nur in dieKassen der Schiffsrheder fliefsen.»
Eine solche Ausdrucksweise ist gewifs berücksichtigenswerthwenn man bedenkt, dafs sie von der Regierung eines Staatesausging, dessen Lebensnerv der Seehandel war und ist, unddessen Rheder gerade damals in Opposition gegen englischeCompagnien die ersten deutschen Seedampfschiffe in Fahrtsetzten.
«Ob das projectirte Differential-Zoll-System einzelnenStaaten oder Städten in einzelnen Beziehungen nützenkönne, — so heifst es an einer anderen Stelle — warnicht in Betracht zu ziehen. Es war nur zu zeigen, wiedasselbe dem Handel, der Industrie Deutschlands imAllgemeinen, also dem grofsen Ganzen nachtheiligsein würde. Nur da durfte und mufste dem HandelHamburgs besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden,wo mit dem Handel Hamburgs auch der Handel Deutsch-lands leidet.
Und doch wird auch das zugegeben werden müssen,dafs die Nachtheile, die den Einzelnen treffen, ohne durch