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jährlichen Belaufe von grofsen Summen, die Producteihrer Colonieen abkaufen, während sie spöttisch wenigvon deutschen Erzeugnissen für ihre bedürfnifslosen Colo-nieen zurücknehmen.
Ihre Commission glaubt auch, dafs nicht allzu ängst-lich danach zu fragen sei, ob es nicht rathsamer seinkönnte, dem Holländer deshalb abzukaufen, weil er viel-leicht, zeitweise wenigstens, seine Colonialwaaren auch zugeringeren Preisen auf unseren Markt zu werfen geneigtsein möchte. Selbst vom kaufmännischen Gesichtspunkteaus wird der sprichwörtliche Grundsatz, «zu kaufen, woman am wohlfeilsten kauft», nicht ausschliefslich mafs-gebend sein. Beim Handel im Grofsen wie im Kleinenkommt es nicht darauf allein an, dafs wohlfeil eingekauftwerde, sondern in der That auch sehr wesentlich darauf,dafs der Käufer zahlungsfähig sei. Die Zahlungsfähigkeiteiner Nation beruht aber zum grofsen Theil auf der Auf-munterung der Arbeit durch die Aussicht auf raschenund lohnenden Absatz.»
Diese schutzzöllnerischen Velleitäten hatten jedoch in denHansestädten keinen langen Bestand.
Noch in demselben Jahre 1847 gab der Hamburger Senat eine officielle Denkschrift, betitelt: «Das Differential-Zollsystem»,heraus, welche zeigt, dafs wenigstens in den leitenden KreisenHamburg’s für schutzzöllnerische Engherzigkeit durchaus keinSinn war.
Wir tragen kein Bedenken, diese Staatsschrift zu dem Be-deutendsten zu zählen, was überhaupt jemals in Deutschland inhandelpolitischen Dingen publicirt ist.
Die darin niedergelegten Ideen sind aber zugleich noch heutebewufst und unbewufst mafsgebend für die Stellung der deutschen Seestädte zur Handelspolitik, weshalb ein näheres Eingehen aufdieselben gerechtfertigt erscheint. Die Staatsschrift beruht aufeiner umfassenden Kenntnifs der damaligen Handels- und Schiff-fahrts-Verhältnisse aller Culturländer, aber sie klebt nicht amStoff, sie erhebt sieh vielmehr aus ihm heraus zu allgemeinenGesichtspunkten, in denen auch das nächstliegende Interesse seinewahre Stellung bekommt.
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