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«Directe und indirecte Einfuhr. — Handels-politischer Gesichtspunkt.
Von diesem Gesichtspunkt ausgehend, entscheidetIhre Commission sich zunächst für den Vorschlag einerBegünstigung der directen Einfuhr vor der indirecten, undzwar mittels eines Aufschlagzolles auf die letztere.
Der Zweck einer solchen Mafsregel ist einleuchtend.Es gilt nicht allein die eigene Flagge in der längerenSeefahrt vorzugsweise aufzufordern, sondern es tritt hiereine Betrachtung hinzu, welche dem Gebiet der eigent-lichen Handelspolitik angehört.
Die unmittelbare Einfuhr der Colonialwaaren (denn umdiese handelt es sich hauptsächlich) aus den Erzeugungs-ländern setzt einen Verkehr mit diesen Ländern voraus,der um . so lohnender sich gestalten wird, je mehr er alsein wirklicher Tauschverkehr sich bewegt. Je mehr dieunmittelbare Beziehung zu einem transatlantischen Marktesich belebt, desto reger ist der Anlafs zum Absatzdeutscher Erzeugnisse auf demselben Markte. Was aufdem gewaltsamen, in die freie Bewegung des Verkehrstiefer eingreifenden Wege von Differentialzöllen, eineroben bereits besprochenen Ansicht zufolge, versucht wer-den sollte, das ist bis zu einem in der That nicht unbe-friedigenden Grade angebahnt durch die im eigenen Inter-esse rege Thätigkeit der deutschen , insbesondere derhanseatischen Rhederei. Deutschland hat diesen ohne alleAufmunterung und fast ohne Beachtung gebliebenen An-strengungen es zu danken, dafs die deutsche Industrieneben jeder fremden auf den transatlantischen Märktenmitwerbend erscheint, während wiederum durch den ge-sicherten Absatz der Landesproducte die Tauschfähigkeitjener Länder sich steigert. Man darf erwarten, dafs diesebis jetzt sich selbst überlassene Entwickelung des directenVerkehrs sich noch erweitern wird, wenn die indirecteZufuhr von Colonialwaaren, also die Zufuhr derselben auseuropäischen Häfen erschwert wird. Man braucht aberkeineswegs ein Anhänger der Theorie der Handelsbilanzim Sinne des verschollenen Mercantil-Systems zu sein, umes unzuträglich zu finden, wenn wir den Holländern, zum