zugereist kommt, um sich in wohlassortirten Lagern das ihmPassende auszusuchen. Dieser ideale Ausländer findet nun inunseren Häfen keine Läger, er hat aber keine Lust, sich in dasInnere Deutschlands zu begeben, er kehrt also unverrichteterSache in seine Heimath zurück, ohne seine Dollars oder Dublonenim deutschen Vaterlande zurück zu lassen. Unbewüfst beherrschtso der Gedanke die Geister, als ob sich der Welthandel nochimmer im Wege des Verkehrs auf Messen abwickele.
In Wirklichkeit liegen die Verhältnisse jedoch völlig anders.
Das Exportgeschäft wird — abgesehen von den Exportennach Ländern, wie etwa England und die Vereinigten Staaten ,wo häufig nur die Vermittelung eines Spediteurs in den See-städten nöthig wird und im Uebrigen die Bezüge direct erfolgen —zur Hauptsache von den überseeischen deutschen Häusern gemacht.Diese machen es zu ihrem ganz speciellen Studium, die Lebens-weise, den Geschmack, die ganze Art der Consumtion des Landes,in dem sie leben, kennen zu lernen. Daneben haben sie sichüber die Industrie-Fortschritte in allen exportfähigen Staaten zuunterrichten. Sie stehen deshalb auch mit den europäischenIndustriecentren im directesten Verkehr und haben nicht seltenan denselben ihre eigenen Agenten, von denen sie durch Muster etc.auf dem Laufenden erhalten werden.
Die Geschäfte, welche sie nun auf Grund dieser speciellenErfahrungen machen, würden die ausländischen Häuser natürlicham liebsten über die Köpfe der Kaufmannschaft in unseren See-städten hinweg betreiben, denn jedes Mittelglied im Handel ver-theuert naturgemäfs die Waare.
Diese Geschäfte erfordern aber die Uebernahme grofserRisicos und bedeutende Capitalien , denn der schliefsliche Ab-nehmer in jenen überseeischen Ländern ist in der Regel nicht imStande, sofort zu bezahlen. Meistens beansprucht er ein offenesZiel von 6 Monaten und darüber, um mit der kommenden Erntedas Kaufobject zu bezahlen.
Der deutsche für den Export arbeitende Fabrikant verlangtandererseits mit vollem Recht in der Mehrzahl der Fälle sofortigeBezahlung oder Accept, da er die Creditwürdigkeit des Hausesjenseits des Oceans nicht zu übersehen vermag.
Bei dieser Sachlage tritt nun der Kaufmann in unserendeutschen Seestädten — und vorzugsweise in Hamburg und