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Die Reichstags-Verhandlungen über Münzreform und Bankwesen : (24. u. 25. Febr. 1880) / hrsg. und eingel. von Ludwig Bamberger
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an 52 als an 53 gestanden, und gerade seit dein Tage, -da bekannt wurde, daßunsere Silberverkäuse ans die Dauer eines Jahres fest zurückgestellt seien, ist derPreis zurückgegangen; während noch vor kurzem die Notirnng 52 ^ bis °/zlautete, ist sie neuerlich nahezu aus 52 zurückgegangen ein Beweis, daß dieKenner der Sache durchaus nicht der Ansicht sind, daß die deutschen Silber-verkäuse im Stande seien, einen wesentlichen Einfluß ans den Silbermarkt aus-zuüben, und das ist auch sür niemand ein Geheimniß, der einigermaßen mitdiesen Dingen vertraut ist. Es ist ja bekannt, wie die englische Enqnete er-geben hat nnd wie die Beobachtung des Marktes in allen Ziffern widerspruchs-los ausweist, daß es ein vollständiger Irrthum von Seiten des Herrn Bank-präsidenten war, wenn er glaubte, das Gewicht der deutschen Verkäufe bestimmedauernd den Knrs des Silbers auf dem Weltmarkt. Es sind namentlich dieBeziehungen zu Indien, welche hier den Ausschlag geben. Noch in jüngsterZeit hat eiu tu diesen Dingen gewiß sehr klassischer Zenge, der Direktor derholländischen Bank in Batavia, in einem Bericht über die holländisch-indischenMünzzustände mit dürren Worten erklärt, man müsse gänzlich ein Neuling seinin Sachen des Metallmarktes, wenn man sich der Ueberzeugung verschließenwolle, daß das Verhältniß Indiens zu Europa allein daS ist, was stärker ein-wirkt ans den Silbermarkt als alle anderen Einflüsse, die da eintreten können.Wir sind von allen Seiten nmringt von Konkurrenten, welche darauf erpichtsiud, Silber zu verkaufen nnd nun, was thun wir? Wir machen Ihnendas Vergnügen, uns selbst Enthaltsamkeit auszuerlegeu. Die kleine Lücke, dieunsere verhältnißmäßig geringen Verkäufe öffnen, wird sofort ausgefüllt vonAmerika uud von der englischen Regierung, welche Tratten abzugeben oderSilber zu verkaufen hat. Die indisch-englische Regierung hat allein im letztenJahre an Tratten ans Indien, die aber vollkommeu denselben Dienst leisten wiedie Silberbarren, 17 Millionen Pfund Sterling verkauft, das heißt 340 MillionenMark, uud fo viel hätten wir an Silber nicht zu verkaufen, wenn wir unsauch vollständig Luft verschaffeu wollten, und von diesen 17 Millionen hat sie9 Millionen verkauft, seitdem wir die Güte hatten, unsere Silbcrverkänfc zusistiren, und sie hat sie zu besseren Preisen verkauft.

Darin hat der Herr Bankpräsidcnt allerdings ganz Recht gehabt, wenn ersagte: das Ausland wird Sie segnen, wenn Sie zustimmen, daß wir unsereSilberverkänfe einstelle!?. Meine Herren, das Ausland hat uns gesegnet, eS hatseine Silbcrgeschäfte zu besseren Preisen gemacht, weil wir verzichteten, einst-weilen an die Stelle zu treten, die wir hätten einnehmen können. Ob es aber gerade jetzt ganz besonders im Geiste unserer Handelspolitik ist, unsEnthaltsamkeit und Opfer aufzulegen, damit das Ausland uns segne, das isteine Frage, deren Beantwortung ich mir wohl ersparen kann.

Nnn liegt außerdem in diesem Verhältniß Englands zu Indien keineswegsei» Grund vor, anzunehmen, daß die Zustände in der Welt sich bald ändernwerden. Nein, nicht im geringsten! Die großen Depreeiationcn des Silbers,zu denen Deutschland ein klein wenig beigetragen hat, sind außer diesen ver-änderten Verhältnissen Indiens zu England noch durch zwei wesentliche Um-stände herbeigeführt worden. Erstens dadurch, daß Indien doppelt so viel anTratten von der englischen Regierung erhält, als eS in früheren Jahren be-kommen hat, zweitens hat der lateinische Münzbund, der seit seiucm Bestehenbis vor etlichen Jahren 2800 Millionen Franken an Silber geprägt hat, dieseSilbcrauSprägung vollständig sistirt, nnd es ist auch ein Aussall von jährlich150 Millionen Mark an Konsum von Silber eingetreten, welcher zu dem Mehr-bedarf von 180 Millionen, die die englische Regierung abzugeben hat, hinzu znaddiren ist. Damit kommen wir weit über 300 Millionen.

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