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Die Reichstags-Verhandlungen über Münzreform und Bankwesen : (24. u. 25. Febr. 1880) / hrsg. und eingel. von Ludwig Bamberger
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Dazu sind die neuen Entdeckungen der Silbcrmineu in Amerika getreten.Allerdings hat mau sich in neuerer Zeit darauf berufen, daß die berühmteOomstoek liOäs im Moment etwas weniger abwirft, als in früheren Jahren,aber es liegt einfach darin, daß die Arbeiten des Soutro-Tuunels, eiues derWunderwerke der modernen Technik, welches die Ausbeute diefer Mine erst aufihre wahre Höhe bringen foll, ihrer Vollendung jetzt entgegen gehen und dieAusbeutung gerade dnrch die Arbeiten gestört ist. Aber abgesehen von dergroßen Ausbeutung an Silber in den Nevadabcrgwerken sind'neue Silbcrselderin auderen Staaten eutdeckt worden, die mit großer Thätigkeit arbeiten. NebenNcvada ist jetzt in gleicher Höhe zu nennen der Staat Utah und der StaatColorado ; dort sind Städte entstanden wie Lcadville, welche allein ans den Berg-bau iu Höhe von sieben- bis achttauseud Fuß über dem Meere gegründet sind,welche in Zeit von wenigen Jahren Bevölkerungen vou 25 bis 30 000 Ein-wohnern mit so und so viel Kirchen und Schnlen uud Hotels haben erstehensehen, und diese Wunderwclt ist vielleicht bestimmt, in die Oekonomie der altenWelt ebenso stark und merkwürdig einzugreifeu, wie wir es auch für die Land-wirthschast erleben. Genug, wir wissen heute, daß die nordamerikauische Silber-produktion die ueue ohue Meriko iu jedem der letzten Jahre etwa 40Millionen Dollars, also 160 Millionen Mark ergeben hat. So kommen wir mitjenen drei Faktoren schon in die Summe vou 500 Millioneu theils entbehrlichgewordenen Konsums, theils neuer Produktion, die kvnkurriren aus dem Silber-markt; uud deuen gegenüber follen wir uns einbilden, daß die wenigen Verkäufe,die wir nöthig haben, nm nur so auf dem laufenden zu bleiben und allmählichunseren Silbervorrath abnehmen zu sehen, eine Umstürzung herbeiführen könnten.

Ich kauu wohl annehmen, daß eS nicht gleichgültig ist, diese Ziffern hiervorzubringen, uud daß, wenn ich mir auch nicht anmaße, aus die Ansichten desHauses und der Reichsregieruug hier bestimmeud einzuwirken, es doch sehr an-gezeigt ist, sich vorzuhalten, wie wenig Grnnd nach Ziffern vorhanden ist, zuglauben, daß iu der Wcltproduktiou und -Konsumtion eine Veränderung ein-treten werde, welche uns ein anderes Bild vorzusühren im Stande wäre, alswir gegenwärtig vor uns habe».

Dieselbe Beobachtung, welche wir im Puukt der Produktion uud Kousum-zu machen hatten, können wir im Punkt des Umlaufes des Silbers machen.Ueberall sehen wir, daß gegenüber dieser gesteigerte» Produktion und verringertenAusprägung auch der Verkehr selbst sich weigert, die schweren Silbcrmünzenanzunehmen, daß sie immer wieder zurückkehren auf deu Ausgaugspuukt. Ichhabe mit großem Vergnügen ans den Mittheilungen des Herrn Schatzsekretärsvernommen, daß bei uns keine künstlichen Versuche gemacht werden sollen, umdie Thaler in die Zirkulation hinauszustoßen, vielleicht könnte ich sagen, daßkeine künstlichen Versuche mehr gemacht werdeu sollen, deuu daß eiumal in ge-gebener Zeit etwas derartiges versucht worden, ist mir aus eiuer so guteu Quellebezeugt, daß ich es nicht bezweifeln kauu. Die Erfahrung hat wohl gezeigt,wie auch in anderen Läudern, daß derartige Experimente das Wort hat jaan sich keine üble Bedeutung fruchtlos siud. Selbst aus einer Erklärungder bayerischen Regierung, die man im letzten Jahre zn lesen Gelegenheit hatte,ist das Nämliche zu ersehen. Im bayerischen Landtage gab die Regierung dieBestätigung der Thatfache, die, weuu ich nicht irre, der Herr Schatzsekretär ein-geräumt hat, daß unser Verkehr die Thaler uicht scsthält, vielleicht mit Aus-nahme einzelner Lokalitäten. Eben die Erklärung, die die der Finanzministerin Bayern in der bäuerischen Kammer nach der Zeitung gegeben hat, lautetedahin, daß man wahrnähme, die Thaler flössen immer wieder an deu Ausgangs-punkt, an die Zentren zurück, die sie uicht wieder in Zirkulation zu setzen im