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Die Reichstags-Verhandlungen über Münzreform und Bankwesen : (24. u. 25. Febr. 1880) / hrsg. und eingel. von Ludwig Bamberger
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Stande wären. ES ist dies auch keine vereinzelte Wahrnehmung; wir habendieselbe Wahrnehmung in Amerika , dein Lande der Agitation sür Silber. Be-kanntlich hat die sogenannte Lluiul MI, welche die Silberausprägung aus2 Millionen Dollars per Monat"), also 24 Millionen Dollars per Jahr festsetzte,die Billigung des Repräsentantenhauses gefunden, und in socher Weise, daß siegegen das Veto des Präsidenten nach mehrmaliger Abstimmung durchging.Was war die Folge davon? Es sind 40 Millionen Dollars in Silbermünzcnals richtiger Legal-Tender, als gleichberechtigte Münzen in Amerika ausgeprägt;es siud aber nur 7 bis 8 Millionen in Umlauf, trotzdem man sich die Mühegegeben hat, selbst durch Gratisbefördcrung auf den Eisenbahnen, die Silber-dollars in Zirkulation zu halten. ES wird keine Transaktion von Kauf-leuten iu Amerika mehr gemacht, die nicht ausschließlich auf Gold beruht.

Ganz ähnliche Erfahrungeu haben wir in Frankreich gemacht. Frankreich wurde gepriesen als das Land, das mit Doppelwährung sehr gut eristire. Aberich kanu versichern, daß diejenigen, denen die Sorge für die französische Währunganvertraut ist, die Dinge in Frankreich durchaus nicht mit Seelenruhe anschauen.Früher war der Schatz der französischen Banken zum allergrößten Theil mitGold gefüllt und nur zu einem ganz kleinen Theil mit Silber. Wie ist esheute? ^eute enthält die französische Bank, die noch im Jahre 1876 auf ca.2100 Millionen Franken Baarschatz, 1500 Millionen Franken in Gold undetwa 000 Millionen in Silber enthielt, sie enthält heute 1267 MillioueuSilber und nur 760 Millionen Franken in Gold. (Hört! Hört!)

Wer hat davon profitirt? Die Leute, die das Silber- und Goldgeschäftmachen, die haben dem Lande Silber gegeben nnd haben das mchrwerthigeGold dafür ausgeführt, und dieser Operation setzt sich jedes Land aus, welchesmehr Silber in seinem Verkehr hält, als absolut für den Bedarf von Scheide-münzen nöthig ist.

Die französische Bank hat im Grunde viel mehr Verluste bereits erlittendnrch diese Denaturirung ihres Schatzes, als man von Deutschland sagen kann.Die französische Bank hat jetzt auch einen Silberschatz, der sich vermehrt hatauf etwa eine Milliarde. An Silber hat sie 1^/z Prozent, d. h. 150 MillionenFranken bereits thatsächlich verloren, nnd ohne daß irgendwie eine Münzreformvorgenommen ist. Während wir das Land veranlaßt haben, das uutcr-werthige Metall zu rechter Zeit abzustoßen und das mehrwcrthige Gold anzu-nehmen, hat iu Frankreich die Privatspekulation das Gegentheil für sich besorgt,die vou jeher im französischen Münzwescn begünstigt worden ist, die Spekulation,die von nns abzuhalten wohl erlaubt sein darf.

Stehen die Dinge so ziemlich hoffnungslos meiner Ansicht nach für dasSilber, so ist es wohl angezeigt, sich zu fragen, was die Regierung denn be-stimmen kann, hier einen so tiefen Einschnitt in unsere Münzgesetzgebung zumachen? Es ist ja immer sehr gefährlich, Voraussagungen zu machen. ESsind früher schon so unvorhergesehene Dinge gerade auf diesem Gebiet, wieüberall, wo es sich um den Verkehr handelt, eingetreten, daß die Aspekte, uuterdenen ich jetzt den Weltmarkt sehe, sich möglicherweise rasch ändern können.Aber das wird mir nicht bestritten werden, daß, um eine bestehende Gesetz-gebung abzuändern und die Verantwortung dieser Abänderung auf sich zunehmen, doch mehr begründete Hoffnung gegeben sein müßte, eine Verbesserungherbeigeführt zu sehen, als nach meiner Auffassung der Fall ist.

Ich weiß wohl, es hat noch eine andere Auffassung ihren maßgebendenEinfluß bei denen, welche ich nehme dona alle Erklärungen an, welche

als Minimum und 4 Mittionen monatlich das Maximum.