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mir gegeben sind — zwar nicht eine Umkehr in unserer Münzgesetzgebung her-beiführen wollen, welche sich aber dem Gedanken nicht verschließen, daß durcheine Ueberstimmung des größten Theils der civilisirten Welt ein Znstand herbei-geführt werden könnte, welcher alle Länder in die Lage setzte, zur Doppelwährungumzukehren. Meine Herren, ob jemand in der heutigen Welt es ernstlich fürmöglich hält, daß die civilisirten Staaten Europas und mit ihnen die VereinigtenStaaten Amerikas einBündniß abschlössen über eine so intrikate Frage, wie dieihres internen Münzverkehrs, — ich sage, ob irgend ein praktischer Mann dasfür möglich hält, das darf ich nur deshalb nicht bezweifeln, weil es vielleichthier im Hause Leute gibt, die es dennoch für möglich halten. (Heiterkeit.)
Aber ich glaube, wenn ich mich anch von der allgemeinen Beurtheilungder Frage entfernen will, fo darf ich wohl sagen: nichts kann ich mir wenigerkombiniren mit der Anschauungsweise nnd mit der Methode des leitenden Staats-mannes im deutschen Reich, als daß er sich in einer so eminent wichtigen Frage,wie die des inneren Metall- und Papierverkehrs des Landes, die Hände bindenwürde, in ein Vertragsverhältniß zu sämmtlichen civilisirten Staaten beider Weltenzu treten. Wir, meine Herren, die wir nicht fertig bringen können, auch nnreinen Schritt in Sacken des österreichischen Handelsvertrags zu macheu, und schonseit Mouaten, nach einer seit Jahrzehnten gepflegten Verbindung, unter der voll-ständigen Zerreißung dieses Handelsvertrags leiden, wir sollten auf den Gedanken .spekuliren, daß eine solche Münzkonvention, von der man allerdings wie von demewigen Frieden auch reden kann, zn Stande komme! Daran ist meiner Ansichtgegenüber so bewandten Verhältnissen absolut nicht zn denken-
Nun hat der Herr Schatzsekretär allerdings alle diese Spekulationen beseitigt,und ich nehme gern Urkunde davon, daß auch bei den verbündeten Regierungensie vorerst keine Rolle spielen. Er hat wesentlich darauf seine Argumentationgestützt, daß angesichts der großen Verluste, welche die Münzreform bereits her-beigeführt habe nnd bei weiterem Vorgehen unter den gegenwärtigen Umständennach sich sichren müsse, die Regierung nicht wage, wenn sie nicht dazu gezwungenwerde, in der Durchführung dicfer Reform fortzuschreiten. Das ist, glaube ich,der Gedanke, wie ich ihn unverfälscht wiedergebe.
Es haben diese Verluste in den Verhandlungen der vorjährigen Inter-pellation eine so große Rolle gespielt, sie haben anch eine so starke Wirkung aufdie Vorstellungsweise der Zuhörer ausgeübt, daß ich schou nicht umhin kann,diesen Punkt auch noch ganz kurz zn besprechen.
Eigentlich hat die achte Denkschrift — über die Durchführung der Münz-rcform — schon Remednr geschafft gegen die falsche Darstellung der Ziffern,die sich der Herr Präsident der Neichsbank hier zn geben bemüßigt gesehen hat.Der Herr Präsident der ReicbSbank hat, uns damals dargestellt, daß die Ver-luste, wie er sie bis jetzt beziffern könnte, sich ungefähr auf 96 Millionen Marknnd nach Abzug von 23 Millionen, welche durch Mindergehalt, durch Deterio-ration der eingezogenen Münzen, also nicht direkt durch die Münzreform herbei-geführt wären, ans 73 Millionen Mark beliefen. Diese 73 Millionen habensich aber nun, wie es anch die Münzdenkschrift ganz richtig angibt, bei richtigerBezifferung auf 43 Millionen reduzirt, nnd wollte man da die Rechnung sostellen, wie sie der Herr Reichsbaukpräsident gestellt hat, wollte man nämlichdie 23 Millionen noch abziehen, welche nnr dadurch verloren worden sind, daßdie eingezogenen Münzen nicht so viel Silber enthielten, wie sie nach ihremNominalwerthe enthalten sollten, so wurde sich die effektive Verlustziffer auf20 Millionen Mark rednzireu. (Hört! hört! links.) Ich will über diesenZwischenraum zwischen 43 und 20 Millionen jetzt nicht rechten; die Rechnungkönnte vielleickit von der anderen Seite bestritten werden; aber nach der Kom-