Druckschrift 
Die Reichstags-Verhandlungen über Münzreform und Bankwesen : (24. u. 25. Febr. 1880) / hrsg. und eingel. von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen
 

21

putation des Bankpräsidenten wäre der wirkliche Verlust nur auf 20 Millionenzn rechnen. Darüber kann kein Zweifel fein: will man die Mindereinnahmenin Belastung bringen, welche durch die Münzreform herbeigeführt worden sind,so muß man loyaler Weife doch auch die Mehreinnahmen buchen, welche hierzu paffe kommen, und darüber kann doch auch keine Meinungsverschiedenheitfeiu auf Seiten der verbündeten Regierungen, denn sie haben ausdrücklich inden Motiven zum Münzgesetz von 1873 sich zu diefein Grundsatze bekannt.Es heißt hier in diesen Motiven:Ist somit davon auszugehen, daß die Kostender Einziehung der Landesmünzen vom Reich zu übernehmen sind, so folgt vonselbst, daß dein Reich auch die Vortheile zufließen müsfen, welche sich bei Aus-prägung der neuen Müuzeu ergeben, denn diese Vortheile bilden die natur-gemäßen DeckungSmittel für die Kosten der Einziehung der Landesinünzen."Hier haben Sie mit nackten Worten den GesichtSpunlt der Unteilbarkeit derbeiden Posten, der Ausgaben und Einnahmen der Münzreform ansgefprochen.Wir stehen also, sei es vor 43 oder 20 Millionen Verlust, die bis jetzt auf-gelaufen sind. Nnn fragt es sich, wie hoch können die Verluste sein, auf diewir uns noch gefaßt machen müssen? Legen wir die jetzigen Siiberpreise von52 pro Unze zu Grunde und fragen, wie groß die Ziffer desfen ist, was wiruoch abzustoßen haben, so ist die höchste Ziffer aller Wahrscheinlichkeit nachund nach fo wiederholt angestellten Verfnchen, daß ich das Detail nicht wiedervorbringen will, etwa 400 Millionen. Dabei sind die österreichischen Thalermit eingerechnet. Ich bin nun der Ansicht, daß wir uns von dieser Totalziffernicht brauchen abschrecken zu lassen. Haben wir erst einmal die Hälfte, -/zoder gar V4 über Bord, so wird sich vielleicht die Frage einstellen, was wirmit dem Reste thun sollen und ob er uns uoch große Sorge zu macheu berufenist. Aber angenommen, es wären 400 Millionen, und angenommen, es würdenauf diese 400 Millionen auch wirklich als Maximum noch 60 Millionen ver-loren, so haben wir wirklich bei Durchführung einer Maßregel, welche eine seitJahrzehnten, man könnte fagen, feit Jahrhunderten, im dentfchcn Reiche be-stehende Unordnnug durch eiue der vollständigsten, im Geiste der nenesten Er-fahrungen gemachten Gesetzgebungen erfetzt und dadurch den Verkehr nach außenund innen konsolidirt, fo" hätten wir dies mit 100 Millionen bezahlt. DiefeSumme klingt gewiß auch wieder zu stark, um mit Gleichgültigkeit darüberreden zu können. Nun, meine Herren, hätten wir das Geld nicht verloren, wenndas Silber nicht abgestoßen worden wäre? Und wenn wir heute als deutschesReich oder als Reichsbank unser Inventar zu macheu haben, dürfen wir dasSilber zu 90 annehmen oder müssen wir es zn 75 annehmen, was es in Wirk-lichkeit werth ist? Würde nicht jeder Kaufmann wegen falfcher Buchführungstraffällig werden, wenu er vor Gericht käme, welcher feine Werthe zu einemfiktiven Kurs annehmen wollte, den sie ursprünglich gekostet, aber seitdem ver-loren haben? Das hängt uun auch wieder zusammen mit der falschen Vor-stellung, auf der auch der Herr Baukpräsideut sich bewegt, als hätten wir unsallein zuzuschreiben, daß das Silber so im Preise gesunken fei. Das ist nichtder Fall. Wir hätten ohne unsere Reform jetzt anch noch den Verlust zutragen aus dasjenige Silber, was wir mehr behalten hätten. Auf das Ganzewäre vielleicht der Prozentsatz etwas niedriger, weil wir nicht mit geholfenhätten, den Markt dnrch unsere Silberverkäufe zu drücken. Gerade fo viel imProzentsatz, wie wir verloren haben, haben alle Länder verloren, die Silberbehalten haben, wie Frankreich , wo der Verlust noch viel größer ist, weil esnichts abstieß, fondern zufügte. Meine Herren, die cnglifch-indifche Schatzvcr-waltung hat nach den angestellten Berechnungen blos in den letzten Jahrenfchon 130 Millionen Nnpien, das ist etwas über 200 Millionen Mark, effektiv