Druckschrift 
Die Reichstags-Verhandlungen über Münzreform und Bankwesen : (24. u. 25. Febr. 1880) / hrsg. und eingel. von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

22

an ihren Zahlungen verloren durch den Niedergang des SilberfußeS, an demwir absolut in dieser Richtung gewiß nicht schuld sind. Es ist also gar nichtaugezeigt, hier von Verlusten zu sprechen, die wir verschuldet hätten oder diewir vermeideu, wenn wir das Silber nicht zu dem gegenwärtigen oder zuanderen gegebenen Preisen realisiren. ES hat mich sogar mit einigem Erstannenerfüllt, das; die verbündeten Regierungen dem Ausverkauf von 300 000 PsnndSilber eine besondere Reflexion in der Münzdenkschrift widmen, indemsie uns sagen, daß sie noch nicht wüßten, was mit diesem bereits zu Barrengeschmolzenen Silber angefangen werden soll und daß darüber Verhandlungenschweben. Das ist ein Betrag von 20 Millionen Mark, so viel wie in jedem Monatwenigstens auf dem Londoner Silbermarkte ab- und zugehen. Daß nns das solcheSorgen und Kopfzerbrechen machen soll, ist mir in der That etwas erstaunlich.Es hat mich nur in einem Punkte interessirt, die Zahl 20 Millionen zn hören,die wir noch an Silber zu verkaufen hätten, seitdem wir am 16. Mai 1879die Silberverkäufe sistirt hätten. Diese 20 Millionen figuriren merkwürdiger-weise iu der Depesche des englischen Gesandten von hier, welche im englischenNnterhanse vorgelesen wurde, und wenn bei der damaligen Interpellation dieFrage aufgetaucht ist über den Zusammenhang, der zwischen jenem im Unter-haus vorgelesenen Aktenstücke und hiesigen Vorgängen möglicherweise zu findenwäre, so mußte mir doch das wieder einfallen, wie wunderbar es sich trifft, daßdie Ziffer von 20 Millionen Silber in Barren, die damals nnsereinem nochunbekannt war, in jenem Aktenstück im englischen Unterbause sigurirte. (Hört!hört! links.)

Wie stehen nun die Dinge, abgesehen von den Konjnnktnrcn des Silber-Verkehrs, wie stehen sie gegenüber dem allgemeinen Verkehr uud möglichen Ge-fahren, denen er ausgesetzt ist? Daß der Verkehr nicht gestört ist, wenn dieThaler in der Bank liegen bleiben, das will ich zunächst zugeben. So langesie im Keller der Bank schlummern, werden sie die Leute außerhalb der Banknicht stören; aber ist denn der Zweck einer rationellen und soliden Münzver-waltung der, mir auf die Verhältnisse im Innern des Landes berechnet zn sein?Der Schwerpunkt einer soliden Münzgesetzgebnng ist die Beziehung zur Weltist die Vermeidung der Gefahren, die aus dem Weltverkehr entstehen können,ist die Sicherheit, daß das Land immer in der Lage bleiben wird, seinen Ver-pflichtungen dnrch Zahlungen nachkommen zu können. Wäre das anders, sowürde jedes Kopfzerbrechen und jede Mühe uunöthig sein. Man könnte sichans Papierwährung einlassen. Schon in alten Zeiten hat es Staaten gegeben,die darauf verzichtet haben, dnrch solide Münzverhältnisse mit den anderen Ländernverbunden zu sein, und sich darauf verließen, daß man von Bürger zu Bürgersich mit beliebigen fiktiven Zeichen behalf. Das ist aber gewiß nicht die Ab-sicht des Münzgefetzes gewesen und nicht die Absicht der verbündeten Regierungen;es war auch nicht die Absicht des Bankgesetzes, denn gerade unser Baukgesetz,war hauptsächlich dazu bestimmt, den früher unsoliden Verkehr des deutschenBankpapiers auf eine festere, sichere uud sorgfältiger berechnete Grundlage auf-zubauen. Es hat sowohl durch die Steuer, die aus die Banknoten gelegt wurde, alsdurch die Vorsicht, daß ein Drittel wenigstens der zirknlircnden Noten durch Baargedeckt werden müsse, der Zirkulation von fiktiven Anweisungen eine Grenze znziehen gesucht. Wie verhält sich dem gegenüber nun ein Bankvorrath, der zneinem so wesentlichen Theile, wie wir es annehmen müssen, aus einem Metallbesteht, das hente nicht mehr auf dem Weltmarkt Zahlungsmittel ist, und daßes das nicht mehr ist, davon haben gerade die neuesten Erfahrungen.nnseinen nnwiderleglichcn Beweis gegeben. Ich weiß zwar, daß Herr Kelley uudeinige andere Herren dem Herrn Reichskanzler erzählt haben nnd eS auch sonst