Druckschrift 
Die Reichstags-Verhandlungen über Münzreform und Bankwesen : (24. u. 25. Febr. 1880) / hrsg. und eingel. von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen
 

2-;

baben drucken lasst»: Deutschland begehe eine große Thorheit, indem es aus dasSilber verzichte, weil es ja unt den Silberländern gar nicht handeln könne,wenn es kein Silber habe. Die Amerikaner , die doch auch etwas von der Sachewissen und am meisten intercssirt sind bei der Nehabilitirnng dcS Silbers, habensich, als eS sich darnm handelte, jetzt den europäischen Markt mit Getreide zu ver-sorgen, durchaus nicht in Silber bezahlen lassen, uud der ganze Perkehr inMetall, der hervorgerufen wurde durch deu ungeheuren Zufluß von Getreidenach Europa , ist einzig und allein mit Gold bestritten worden, nnd wenn sichdie Metallverhältnisse in Frankreich namentlich neuerdings wieder so znm Nach-theile deS Goldes und zum Vortheil des Silbers gedreht haben, so kommt esdaher, daß jene Ankäufe allein mit Gold bcstritten werden konnten. Also einMetall, das als Geld ans den Weltmarkt gebracht werden kann, ist heute nachallen Ersahrnngcn Gold allein. ES ist auch uach der Absicht unseres Münz-und BankgesetzeS allein bestimmt, als Deckung für die umlaufenden Noten inden Kellern zu liegen, gerade wie wir eS in den JnlinSthnrm gelegt haben snrden Fall des Krieges.

Wie verhält es sich damit, wenn dieser Znstand perennirend gemacht wird,für permanent erklärt wird durch die Nichteinzichuug der Thaler? ES sindnach dem letzten Ausweis z. B. etwas über 700 Millionen Mark Banknotender Reichsbank im Umlaus in Deutschland und der Baarvorrath betrug nachden letzten Angaben 575 Millionen. Diese 575 Millionen ans wieviel Silber, auswieviel Gold mögen sie bestehen? Das ist nicht leicht zu rathen. Ich glaube, ichwerde mich nicht sehr irren, wenn ich annehme, sie sind wenigstens zur Hälfteaus Silber zusammengesetzt, und ich fürchte auch gar uicht dem Lande dadurchzu schade», das; ich eS sage. Meine Schätzung ist jedoch ganz unmaßgeblich,da ich rein ans das Vermuthen angewiesen bin. Die französische Bank hatbereits, trotzdem eS so stark bei ihr in dieser Richtung fluktuirt, die ganz ge-sunde Maßregel ergriffe», jede Woche, wenn sie ihren Status publizirt, zu er-klären: soviel von meinem Baarbestand ist Silber u»d soviel Gold; denn nichtsist schlimmer in Dingen, die das öffentliche Vertraue» nöthig habe», als Ge-heimthuerei, denn dann stellt man sie sich immer am schlimmsten vor. Nndwenn es denn so ganz unschädlich, so ganz gleichgiltig ist, ob Silber oder Goldin unserer Bank liegt, je nun, so mögen die verbündeten Regierungen den HerrnReichskanzler als obersten Chef der Bank veranlassen, daß in Zukuust die Reichs-bank bei ihrem wöchentlich zn veröffentlichenden StatnS amb erkläre, wievielGold sie hat und wieviel Thaler als Deckung vorhanden sind. Wenn die Sachesich so verhält, wie ich auuehme, wem? etwa die Hälfte aus Silber besteht,wenn, wie anch der Status uns ankündigt, 40 Millionen anS Reichskassen-scheinen bestehen, dann, meine Herren, schmilzt eigentlich der Goldvorrath derBank, der als internationale Deckung für uusere Bauknoten nothwendig ist, aufeine ganz kleine Snmine herab, mit auf die kleinste Summe, die in der Weltzur Deckung einer so bedeutenden Bank eristirt, man kommt zu 2 bis 300 Mill.und rührt schon an die Grenze deS Gesetzes, welches vorschreibt, daß ein Drittelder Zirkulation wenigstens mit effektivem, dem Sinne nach mit brauchbarem,vollwerthigem Metall gedeckt sein muß, nnd, nicht blos mit fiktivem, welchesder Absicht des Gesetzes widerspräche. Was ist aber die Folge, meine Herren,was ist die praktische Folge dieses Zustandes? Erstens verfälscht er die Dis-kontopolitik der ReichSbauk. Die ReichSbauk geht jetzt zwar sehr kühu in ihrevDiskontopolitik vor, wie schon der Herr Abgeordnete Richter vorhin angedeutetbat und wie wir uns wohl deswegen noch näher werden unterhalten müssen;altein es hat eine Zeit gegeben, wo sie mit Recht ganz anderer Ansicht war,d. h. wo sie, sobald die goldene Oberfläche, die ihren silbernen Boden bedeckt.