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Die Reichstags-Verhandlungen über Münzreform und Bankwesen : (24. u. 25. Febr. 1880) / hrsg. und eingel. von Ludwig Bamberger
Entstehung
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anfing dünn zu werden, den Zinsfuß hinaussetzte, um den Abfluß von Gold zuverhüten. Das ist nun im Augenblicke beseitigt, weil durch einen jener zahl-reichen Glücksfälle, die überhaupt unserer Münzgesetzgebung zu Gute gekommensind, im letzten Sonnner eine Kombination von Verhältnissen eintrat, die be-deutende Goldzuflüsse nach Deutschland führte. Wenn Sie die Münzdenkschriftlefen, so werden Sie auch sehen, daß die Reichsbank sehr viel Gold geprägt,respektive angekauft hat. Das kam ans der natürlichen Bewegung des Wechsels,wie sie sich durch eine Reihe von Umständen herausgebildet hat. Das hat wohldas Sicherheitsgefühl des Dirigenten der Reichsbank gehoben und er hat nunsich weniger Sorge darnm gemacht, daß nnr eine dünne Schicht von Goldunsere silberne Unterlage, die wir für den Weltmarkt nicht gebrauchen können,bedeckt. Was wird aber geschehen, wenn sich diese Dinge ändern, und ich glaube,wir dürfen die Möglichkeit nicht außer Augen lassen, daß hier eine Aenderungeintreten kann? Im Augenblick ist die Welt noch so in äulei ^udilo, dieSachen gehen gut, namentlich gestützt aus den ungeheuren Aufschwung, den dieGeschäfte in Amerika genommen haben. Wir haben es immer behauptet, daßdie Stockung der Geschäfte nicht Sache eines einzelnen Landes sei, und niemalshat sich unsere Behauptung glänzender bewährt als jetzt, wo die wahre An-reguug zum Umschlag der Verhältnisse aus Amerika gekommen ist. Trauen Siediesen Verhältnissen so absolut, daß Sie glauben, es kann nicht diese Ueber-stürznng, die zusehends wächst, so bald wieder umschlagen in das Gegentheil,und welchen Rückschlag hätten wir zu erwarten? Sobald ein Rückschlag ein-tritt, so kann auch sehr leicht eine Geldverlegenheit bei uns kommen, und eskaun dann plötzlich ein Druck auf die Bank kommen, der ihren Goldvorratl)noch mehr fchmälert. Läßt sich die Bank dann bestimmen, rasch Vorsichts-maßregeln zu ergreifen, fo wird gerade jene verhängnißvolle Wirkung erzeugtwerden, die immer die Krisen in der Welt hervorgerufen hat, d. h. wenn einInstitut, das gefchaffen ist zur Ucberwachung und sorgsältigcn Leitung der Zir-kulation, sich hat zu weit gehen lassen und plötzlich Kehrt machen muß. Eswird zwar bei dem KapitelBank " die Frage noch einmal berührt werden,aber sie ist in zu engem Zusammenhang mit unserer Münzpolitik, als daß ichnicht genöthigt wäre, noch einige Worte über diese Frage zu sagen, uinsomehr,als ich glaube, daß ganz parallel die beiden Bewegnngeu in unserer Münz-und Bankverwaltung gegangen sind. Wie die verbündeten Regierungen eS fürrichtig gehalten haben, eine Münzreform, wie sie im Geist des Gesetzes diktirrist, ans ein Jahr lang unwiderruflich zu sistiren, so ist zwar nicht dem Buch-staben, aber dem Geist nach in der Leitung der Reichsbank eine Abweichungvon der Tendenz eingetreten, mit der sie ursprünglich geschaffen worden ist.Nichts hat so prävalirt bei unseren Berathungen, als die Absicht, eiue Bank znmachen, die von Hause aus so solid wie nur irgend möglich operirt, und dererste Grundsatz unserer Bank sollte sein, daß sie nicht den Geschäften nachläuft,sondern daß sie die Geschäfte zn sich kommen läßt. Das ist eine Zeit langganz gut so gegangen, allein in neuerer Zeit ist leider eine bedeutende Abweichungvon dieser Praxis wahrzunehmen (sehr richtig!), wie mir aus zuverlässigenQuelleu berichtet wird. Der Geist der Bankgesetzgebuug, wie er ursprünglichgedacht war, geht verloren, und weun hier trübe Erfahrungen gemacht werdensollten, fo bitte ich abermals, dann nicht zu sagen, es sei ein schlechtes Bank-gesetz daran schuld. Es gibt gar kein Gesetz, das man so machen kann, daßnicht eine mißverstandene Behandlung und Exekution des Gesetzes es in Gefahrbringen könne. Wenn man nicht sicher ist, daß das Gesetz in dem Geiste ge-handhabt wird, in dem eS gegeben ist, dann wird keine Klausel der Welt esdavor schützen.