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Die Kriegslasten und ihre Deckung / Georg Gothein
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keine große Bedeutung haben. Bei den Invalidenrenten pflegt erfahrungs-gemäß der Rückgang nur sehr langsam einzutreten, da sich die gesund-heitlichen Nachteile des Krieges oft erst Jahre später geltend machen.Immerhin ist mit einer allmählichen, nicht unwesentlichen Abnahmeder Kriegsrenten zu rechnen. Ein Teil der dabei sich ergebendenErsparnisse könnte zur Schuldentilgung verwandt werden. Mit Rücksichtdarauf könnte man diese von vornherein geringer bemessen -- vielleichtauf V 2 % statt 1 °/o der ursprünglichen Schuldsumme; wachsen derTilgung die ersparten Zinsen und Renten zu, so würde sie nicht allzu-langsam vor sich gehen.

Von größter Bedeutung aber wäre es, von 1925 ab den Zinsfußder Anleihe herabzusetzen. Betrüge dann die Restsumme nochvielleicht 30 Milliarden, so würde die Herabsetzung des Zinsfußes auf4 °/o eine jährliche Ersparnis von 300 Mill. M ausmachen, um die dieTilgung verstärkt werden könnte sofern man nicht vorzöge, dann einigeder drückendsten Steuern zu erleichtern in erster Linie die Kohlensteuer.

Ganz besonders wird es sich als notwendigerweisen, die Ausgabeneinzuschränken. Nach der fürchterlichen finanziellen Erschöpfungaller Kriegführenden wird die zwingende Not vielleicht zu einerinternationalen Verständigung über die Einschränkung derRüstungsausgaben führen. Weder Rußland, noch Frankreich, nochItalien werden in der Lage sein, die alten Rüstungslasten weiter zu tragen.Und Deutschland, England, Österreich-Ungarn, nur auf Kosten ihrerwirtschaftlichen Wiedererstarkung.

Brasilien hat seinerzeit das Beispiel gegeben, wie ein Staat auf diesemWeg wieder zu geordneten Finanzverhältnissen kommen kann.

Deutschland muß aber auch die im Kriege eingegangenen Ver-pflichtungen erfüllen, wenn es wirtschaftlich kräftig bleiben will. Esdarf den traurigen Weg des Staatsbankerotts nicht gehen, der seinAnsehen und damit seine wirtschaftliche und politische Stellung unter-graben würde. Es würde damit seinen Kredit nach innen und außenruinieren, würde das ganze auf Treu und Glauben aufgebaute Gebäudeunseres wirtschaftlichen Lebens zum Einsturz bringen. Und wir habenes nicht nötig, diesen Weg zu gehen. Was uns auch der Wahnsinndieses uns aufgedrungenen Krieges für Opfer kostet, wir können siebringen, wir können im Frieden durchhalten wenn auch unterEntbehrungen, wenn auch unser Leben einen viel bescheidenerenAnstrich gewinnen wird als vor dem Krieg. Mit ernster unermüdlicherArbeit wird das deutsche Volk, das sich im Kriege als ein stahlhartes,widerstandsfähiges erwiesen hat, auch den friedlichen Sieg gewinnen,wird es die schweren Jahrzehnte nach dem Frieden ehrenvoll überdauern,sich durchringen zu neuer vermehrter wirtschaftlicher Kraft.