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Die Kriegslasten und ihre Deckung / Georg Gothein
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Im übrigen aber gibt der Umstand, daß die zerstörten Gebiete Nord-frankreichs, Belgiens, Polens zum Wiederaufbau auf unser Eisen an-gewiesen sind, daß sie überwiegend von uns ihre Maschinen beziehenmüssen, der deutschen Hütten- und Maschinenindustrie für die ersten Jahrereiche Beschäftigung, die zugleich unsere Zahlungsbilanz verbessern wird.

Bei der durch den Krieg leider stark eingeschränkten Zahl männ-licher Arbeiter werden die vorhandenen Produktionsstätten im wesentlichenfür mehrere Jahre ausreichen. Kapitalinvestitionen in neue Werke werdennur in ganz geringem Maße vorgenommen zu werden brauchen, die vor-handenen Arbeitskräfte werden daher ganz überwiegend für die Herstellungvon Verkaufswaren - besonders für die Ausfuhr - beschäftigt werden.Und wie erwähnt - ist der Auslandsbedarf daran ungemein groß.Die Verwendung zahlreicher weiblicher Arbeitskräfte während des Kriegeszu sonst nur von Männern ausgeführten Verrichtungen wird auch imFrieden fortgesetzt werden und damit trotz des großen Verlustesvon Männern die deutsche Arbeit produktiver machen.

Die deutsche Seeschiffahrt hat schließlich relativ weniger ge-litten als die unserer Gegner. Die bei Kriegsausbruch in feindlichen oderneutralen Häfen internierten deutschen Schiffe müssen nach Friedens-schluß ohne Entschädigung zurückgegeben werden. Damit würde sichunser Gesamtverlust von 521 Schiffen mit 1 113 300 Br.-Reg.-Tonnenauf 137 Schiffe mit 308 340 Br.-Reg.-Tonnen, d. h. noch nicht 6 °/o derdeutschen Gesamttonnage, verringern, während die Verluste unsererFeinde auf mindestens 2M Mill. Br.-Reg.-Tonnen zu veranschlagen sind.Es ist anzunehmen, daß die Kriegsverluste der deutschen Handelsflottedurch Neubauten rasch ausgeglichen sein werden und daß sie zumalbei dem allgemein stark eingeschränkten Schiffsraum die Frachtenlängere Zeit hochbleiben werden die deutsche Zahlungsbilanz günstigbeeinflussen wird.

Das gleiche wird die Frachtvermittlung der deutschen Eisenbahnenund Binnenwasserstraßen für Rechnung unserer Hinterländer bewirken.

Durch Herstellung künstlichen Kautschuks und Salpeters, Terpentin-öls und Kampfers, wird deren Einfuhr, die vor dem Kriege über 1 /3 Mil-liarde im Jahre wertete, eine wesentliche Einschränkung erfahren. Auchsonst hat uns der Krieg gelehrt, sparsam zu wirtschaften, so z. B. mitSchmieröl. An Stelle des Benzins wird überwiegend heimisches Benzolverwendet werden. All das wird unserer Zahlungsbilanz zugute kommen.

Freilich eine schwere Zeit starker Einschränkungen, angestrengtesterArbeitsleistung wird es werden, ehe wir uns einigermaßen zu dem früherenWohlstand wieder durchgerungen haben werden.

Die Lasten, die wir zu tragen haben, werden mit derZeit geringer. Zunächst die Kinderrenten durch das Hineinwachsenin nicht mehr unterstützungsbedürftiges Alter. Wesentlich langsamergehen die Witwenrenten zurück; etwas rascher die Elternrenten, die aber