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schränkt, da der hohe Preis beider sie dazu lockt, ihre gesamteProduktion au den Markt zu bringen und in weiten Kreisen un-serer landwirtschaftlichen Bevölkerung findet nach dem Urteilärztlicher Autoritäten und genauer Kenner der Verhältnisse eineUnterernährung bezüglich der eiweifshaltigen Stoffe statt, insbe-sondere von Milch und Eiern. Der Handwerker, Industriearbeiterund kleinere Beamte ist aber ganz aufserstaude, so viel dafür aus-zugeben, als eine rationelle Ernährung erfordern würde. Insbe-sondere leidet die Ernährung der Kinder schwer darunter. Wirfinden demnach auch eine relativ hohe Kindersterblichkeit nichtnur in den Grofsstädten und Industriezentren, sondern auch aufdem Lande.
Die Säuglingssterblichkeit in Deutschland ist denn auch immernoch eine ziemlich hohe. 1 ) Von 100 lebend Geborenen starben1905 im ersten Lebensjahre 20,5, im industriereichen KönigreichSachsen sogar 25,7; Österreich und Ungarn mit 21,5 und 23 über-trafen freilich Deutschland noch stark. Dagegen blieben, von Rufs-land abgesehen, fast alle anderen Staaten hinter Deutschland weitzurück, so Italien mit 16,1, die Schweiz mit 12,9, Frankreich mit14,4, Belgien mit 15,2, Niederlande mit 13,1, Dänemark mit 11,2,Schweden mit 9,3, Norwegen mit 7,6, England mit Wales mit12,8, Schottland mit 12,3 usw.
Dafs hierbei die Ernährungsverhältnisse der Eltern eine we-sentliche Rolle spielen, geht zunächst daraus hervor, dafs die Säug-lingssterblichkeit der unehelichen Kinder 32,6 gegen 19,4 derehelich geborenen beträgt; des weiteren daraus, dafs sie in denJahren 1886—88 in Preufsen in der Klasse der Selbständigen 21,3,
Inzwischen ist die Säuglingssterblichkeit in Deutschland weiterzurückgegangen auf 18,5 in 1906 und 17,6 in 1907, die der unehelichenauf 29,4 und 28. Das ist hauptsächlich der zunehmenden sanitären Für-sorge in den Städten und der günstigen Beschäftigungslage in diesenJahren zu danken. Auch der allmähliche Rückgang der Geburtenzifferwirkt auf die Säuglingssterblichkeit günstig ein.