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Bekämpfung epidemischer Krankheiten, wie Diphtheritis, Typhus ,Scharlachfieber, Kindbettfieber usw. Des weiteren hat dazu bei-getragen der Ausbau der Krankenversicherung und die damit inZusammenhang stehende, bessere ärztliche Versorgung der Arbeiter-bevölkerung in Krankheitsfällen und bei Unfällen.
Unzweifelhaft — und das wird von ärztlicher Seite williganerkannt — hat aber auch die mit der Caprivischen Handels-vertragspolitik einsetzende, reichliche und lohnende Beschäftigungsehr wesentlich an diesem günstigen Ergebnis mitgewirkt, um somehr als Hand in Hand damit während längerer Jahre eine Er-mäfsigung der Getreidepreise ging.
Im Verhältnis zu anderen Kulturstaateu ist die Sterbezifferin Deutschland selbst noch immer sehr hoch. Sie betrug 1906bei der Schweiz 17,9, bei Belgien 16,9, Holland 15,3, Däne-mark 14,8, Schweden 15,6, Norwegen 14,7, England undWales 15,2,Schottland 15,9, Irland 17,1. Bei Frankreich und Italien , dieebenfalls eine Brotverteuerungspolitik treiben, war sie mit 19,6und 20,9 nahezu so hoch wie in Deutschland (20,8); Österreich mit23,7, Ungarn mit 27,8, Spanien mit 25,8 und Rufsland mit 32,1übertrafen dagegen Deutschland noch bei weitem. Die Industrie-staaten, welche Lebensmittel gar nicht oder nur ganz verschwin-dend belasten, wie Grofsbritannien, Belgien und die Schweiz stehensehr viel besser da als die Industriestaaten mit Schutzzöllen.
Die Krankheit, der durch gute Ernährung am wirksamstenvorgebeugt werden kann, ist die Tuberkulose der Lungen. Esstarben daran in Preufsen 1872—1881 auf 1 Million Einwohnerjährlich durchschnittlich 3170 Menschen, 1887—1893 2715, 1894bis 1897 2245 und 1904 nur noch 1826,') also ein Rückgang von1344 Todesfällen jährlich auf eine Million Lebender im Verlaufvon 30 Jahren. Aber auch hier war der Rückgang am stärksten
0 Inzwischen ist ein weiterer Rückgang auf 1797 in 1905, 1629 in1906 und 1596 in 1907 eingetreten.