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wie denn unser Bevölkerungszuwachs auch sonst weit höhere kom-munale Aufwendungen notwendig macht als dort. Und für dieBedürfnisse dieses gewaltigen Menschenzuwachses mufs Deutsch-land ständig Fabriken bauen; einmal um für Kleidung, Wohnung,Hausgeräte dieser Menschen zu sorgen, sodann aber um Warenherzustellen, mit denen es dem Ausland die Lebensmittel und Roh-stoffe bezahlen kann, die es durch eigene Produktion nicht zuschaffen vermag.
Wenn Deutschland auch infolge seiner sehr starken Bevölke-rung alljährlich ein grofses Kapital erübrigen kann, so mufs esdas doch zum weitaus gröfsten Teil in Wohnungen, Wasserleitung,Kanalisation, Schulen, Fabriken und Verkehrsmitteln anlegen, wäh-rend Frankreich diesen Uberschufs vorwiegend zum Ankauf vonAuslandseffekten verwenden kann. Die französische Handelsbilanzbalanziert nahezu, die deutsche dagegen ist mit 1750—1800Millionen Jfl passiv. 1906 mufste es 2315 Millionen Jl für Le-bensmittel und 4032 Millionen Jt für Rohstoffe ans Ausland be-zahlen.
Auch der deutsche Fremdenverkehr bedeutet ein starkes Passiv-saldo. Der Deutsche ist reiselustig; die französischen, schweize-rischen, österreichischen Alpen, die Tatra, Norwegen, Italien , alleslockt ihn hinaus; und das Leben in diesen Auslandsorteu ist ver-hältnismäfsig wohlfeiler als im Inlande, wo durch Zölle und Vieh-sperren alles aufs höchste verteuert wird. Der Franzose abergeht wenig ins Ausland.
Es ist aus allem diesen begreiflich, dafs Frankreich ständiggrofse Guthaben im Auslande besitzt, dafs es kaum jemals in dieLage kommt, zu irgend einer Zeit an das Ausland mehr zahlenzu müssen, als es von ihm gleichzeitig zu fordern hat. Es kannseinen Verpflichtungen ständig durch Verrechnung, schlimmsten-falls einmal durch Hergabe eines kleinen Teils seines Besitzes anausländischen Effekten decken.