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Die Wirkungen des Schutzzollsystems in Deutschland / von Georg Gothein
Entstehung
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Die fiskalische Wirkung- der Schutzzollpolitik.

Bismarck hat die deutsche Zollpolitik wesentlich mit deshalbeingeführt, weil er gröfsere Einnahmen für das Reich haben wollte,also aus fiskalischen Gründen, um die Finanzen des Reiches zuverbessern. Diese Rechnung hat nicht gestimmt: Allerdings habendie Zollerträge eine gewaltige Zunahme erfahren, sie sind von140 Millionen Jl vor 1879 auf ca. 700 Millionen Jl in 1907 ge-stiegen. Freilich der Ertrag der Getreidezölle geht zurück.

Der hohe Zoll von 5 Jl pro 100 kg für Roggen und Haferhat in Verbindung mit dem System der Einfuhrscheine aber auchzu einer direkten Schädigung der Reichsfinanzen geführt. Mit derdurch sie gewährten Vergütung in Höhe des Zolles wird Roggenund Hafer, der früher in der Viehwirtschaft verbraucht wurde,ausgeführt uud statt dessen zollfreie Kleie und Futtergerste ein-geführt, die nur einem Zoll von 1,30 Jl pro dz. unterliegt. DerRoggenzoll brachte also im Kalenderjahr 1908 der Reichskassenicht nur nichts, sondern verursachte ihr noch einen Ausfall von12 263 000 Jl.

An Hafer führten wir gleichzeitig 495 435 t aus und nur299 804 t ein. Der Haferzoll brachte der Reichskasse demnacheinen Ausfall von 9 3 / 4 Millionen Jl.

Ferner wurden für die Ausfuhr von Roggenmehl 1908 Ein-fuhrscheine im Betrag von 5 3 / 4 Millionen Jl , für andere Mühlen-fabrikate (ohne Weizenmehl) über 6 Millionen Jl , mit obigen 12,26und 9,75 Mill. Jl zusammen also 33 Millionen Jl gezahlt. Nunsteht dem freilich eine Mehreinfuhr au Futtergerste gegenüber,die aber, da der Zoll dafür nur 1,30 Jl beträgt, dem Reich nur für