samten deutschen Volke gekostet hat, das wird erst der kom-mende Winter in erschreckender Weise zeigen.
(Sehr richtig!)
Jeder Streik verschlechtert auch die Lage der Arbeit-nehmer; er verschlechtert unsere Valuta, unfern Kredit; erverteuert die Lebensmittel und die Rohstoffe, die wirbrauchen. Was nützt dem Arbeitnehmer die Lohnauf-besserung, was nützt ihm die kürzere Arbeitszeit, wasnützt ihm selbst das Mitbestimmungsrecht, wenn dieKaufkraft unseres Geldes ständig so weiter fällt,wie es in den letzten Tagen und Wochen wiedergeschehen ist! Wenn das Ausland uns weder Lebens-mittel noch Rohstoffe gibt, wenn wir keine Kohlenfür Hausbrand und für die Fabriken mehr haben, dannmüssen wir elend zugrunde gehen. Wer den Arbeitern vor-redet, daß sie ohne intensivste Arbeit ihre Lage verbessernkönnten, der verführt sie, der ist ein Verbrecher am Volke.(Lebhafte Zustimmung.)
Deutsch sein heißt arbeiten; heißt die Arbeit um ihrerselbst willen tun; heißt die Arbeit als Pflicht gegen sich,gegen die Familie, gegen die Gesamtheit empfinden. Nichtdas Erstreben von Rechten, sondern das Gefühl der Pflicht,der kategorische Imperativ ist der Urgrund aller Sittlichkeit.Mit diesem Pflichtgefühl muß das deutsche Volk sich inallen seinen Kreisen wieder erfüllen.
(Erneute lebhafte Zustimmung.)
Wie der Krieg gewirkt hat, das haben wir schaudernd er-lebt. Wir müssen wieder ein moralisches Volk werden, dasAchtung hat vor Gesetz und Recht; auch vor dem Recht derandern."
Wie bei meiner Rede von 1916 im Reichstag fanden auchdiese Worte die Zustimmung der Sozialdemokraten. Aber dienotwendigen Folgerungen haben weder sie, noch die meistenanderen Parteien daraus gezogen. Man kann zugeben, daß die
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