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Der große Irrtum der deutschen Lohnpolitik / von Georg Gothein
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sondern nach den Erhebungen des Reichsernährungsministerseine Verminderung um 6 Milliarden erfahren.*) Daß ein solcherVermögensrückgang für unsere Volkswirtschaft unsagbar nach-teilig ist, daß die in seinem Gefolge auftretende Kapitalknappheitbei uns zu Zinssätzen führt, die doppelt so hoch sind, als dieanderer Industriestaaten, daß damit unsere Produktions- undVerteilungskosten überaus schwer belastet werden, ist ein-leuchtend. Anser Privatdiskont ist mit 7^ Prozent mehr wiedoppelt so hoch wie der französische von 3,37 Prozent. Dasdurchschnittliche Zinsniveau langfristiger Anleihen steht bei unsüber 9, dort 5,31 Prozent. Sollzinsen der Banken betrageneinschließlich Provision IIV2 Prozent. Demgegenüber ist diedurchschnittliche Rente unserer Aktien nur 5 v. H.

Nationalisierung und Lohnerhöhungenin der Landwirtschaft.

Am nachteiligsten haben sich Lohnerhöhungen und Be-triebsrationalisierung bei der deutschen Landwirtschaftausgewirkt. Die Verarmung und Verunkrautung der Böden,der starke Rückgang der Viehbestände nach Zahl und Güte, dieReparatur- und Crneuerungsbedürftigkeit der Gebäude wie destoten Inventars erforderten nach dem Krieg riesige Kapital-investitionen. Anfangs konnte man bei den hohen Preisen derlandwirtschaftlichen Erzeugnisse annehmen, daß sie sich durch diegesteigerten Erträge bezahlt machen würden. Aber deren Preise,die weitestgehend von den Weltmarktpreisen abhängig sind,gingen zurück, während Löhne, Soziallasten,Steuern und Zinsen unaufhaltsam stiegen. Am an denbeiden ersteren zu sparen, schaffte man in umfangreichem MaßeMaschinen und Motoren an. Die damit bewirkte Ersparnis anmenschlichen Arbeitskräften wurde aber bei Ablauf der altenTarifverträge stets durch neue Lohnerhöhungen wie auch durch

*) Das steuerfähige Privatvermögen der physischen Personen betrugnur 64,3 Milliarden RM.

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