Druckschrift 
Der große Irrtum der deutschen Lohnpolitik / von Georg Gothein
Entstehung
Seite
30
Einzelbild herunterladen
 

die erstere 51 v. H. (Juli 60 v. H.), die letztere 16,9 (19,3) v. H.In der Vaumwollindustrie die Kurzarbeit 12 (15) v. H., in derWollindustrie 5 (6,5) v. H., in der Kammgarnindustrie 29,5(33) v. H.

Als durchschnittliches Resultat ergibt sich, daß abgesehenvon Steinkohlen, für die die weiter oben dargelegten besonderenVerhältnisse vorliegen die weitgehend auf die Ausfuhrangewiesenen Industrien mit wenig gestiegenen Nominal-löhnen ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem Auslandsmarktbewahrt haben und daher wenig unter Arbeitslosigkeit undKurzarbeit leiden, während die, welche wie die Textilindustrie,die Schuh -, die keramische u. a. Industrien das Lohnniveau ganzbesonders hoch geschraubt haben, einen höchst ungünstigen Ge-schäftsgang aufweisen. Die vorwiegend für den heimischen Ab-satz arbeitenden Industriezweige: Vau-, Brau-, Nahrungs-mittel-, Hausrat-, Vekleidungs- usw. -gewerbe zeigen die stärksteLohnsteigerung, was wesentlich zu den hohen Großhandels- wieLebenshaltungsindices beiträgt. Die zwecks Nationalisierungvorgenommene Kapitalinvestition ist eben in Löhne zerflossen,hat daher keine Senkung des Preisniveaus, also auch keine be-achtliche Verbrauchssteigerung bewirkt; nur die starke Ausschal-tung von Arbeitskräften ist zurückgeblieben. England zahlthohe Löhne auf Kosten von Arbeitslosigkeitund Kurzarbeit. Der Kaufkraft nach ist die Gesamt-lohnsumme aller Arbeiter gegen die Vorkriegszeit nicht ge-stiegen.

Die EntWickelung in Frankreich .

Eine völlig verschiedene Entwicklung zeigt Frankreich .Zwar hat es nicht wie England vermocht, seine Währung aufden alten Wert wiederherzustellen, den Franken vielmehr aufseines Goldwerts stabilisiert. Damit hat es seine innereSchuldenlast entsprechend vermindert, während es bezüglich deräußern mit seinen beiden Gläubigern Großbritannien und denVereinigten Staaten von Amerika vorteilhafte Abkommen überniedrige Verzinsung und langsam ansteigende Tilgung

30