in Hand damit ist die Arbeitslosigkeit stark zurückgegangen. Imletzten November betrug sie nur 29 400, während gleichzeitig21 145 Stellen offen waren.
Die Wirtschaftslage Oesterreichs .
Wesentlich ungünstiger haben sich die wirtschaftlichen Ver-hältnisse Oesterreichs gestaltet. Seiner Zwei-Millionen-Hauptstadt Wien ist nur ein Hinterland mit 4^2 Millionen Ein-wohnern gegen früher 50 Millionen verblieben, das zudemgroßenteils weit von der Hauptstadt entfernt liegt. Der Verlustdes zollgeeinten großen Absatzgebiets ist für Oesterreich um soschlimmer, als ihm die Hochschutzzollpolitik der andern Nach-folgestaaten den Absatz seiner verfeinerten Fertigerzeugnisse un-sagbar erschwert. Seine Handelsbilanz ist darüber ständig starkpassiv; so 1926 mit 630 Mill. NM, 1927 mit 620 Mill. NM,1928 dürfte die Passivität freilich geringer gewesen sein. Wenndies auch hauptsächlich auf die bessere Ernte und damit ver-ringerte Einfuhr zurückzuführen ist, so zeigt doch auch die Aus-fuhr von Fabrikaten eine Zunahme. Auch stellt sich die öster-reichische Zahlungsbilanz einerseits durch den sehr starken Reise-verkehr von Ausländern sowohl in Wien wie in den Alpen-ländern, durch die erheblichen Transportleistungen der öster-reichischen Bahnen für fremde Rechnung und durch den Aus-landsbesitz von Oesterreichern vornehmlich in den anderen Nach-folgestaaten wesentlich günstiger als die Handelsbilanz. Dochleidet das Land, das zudem die Pensionslasten aller Be-amten und Militärs des alten Cisleithaniens und die Kriegs-beschädigtenrenten zu tragen hat, schwer unter Steuerlast undKapitalmangel. Das und die verringerte Absahmöglichkeit habendenn auch eine sehr hohe Arbeitslosigkeit gezeitigt, die selbst inden Zeiten der größten Nachfrage nach Arbeitskräften nicht unter120 000 zurückgeht und in den Wintermonaten bis über 240 000ansteigt; für eine Bevölkerungszahl von 6,5 Millionen sehr hoheZiffern! In Wien standen die Wochenverdienste der Metall-arbeiter im Herbst 1928 für Gelernte auf 45 NM. im Akkord,
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