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Der große Irrtum der deutschen Lohnpolitik / von Georg Gothein
Entstehung
Seite
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Seine angebliche glänzende Entwicklung gilt den Befür-wortern der Gewerkschaftsbewegung ebenso wie den Anhängerndes Protektionismus als schlagender Beweis ihrer Theorien.Wie steht es in Wirklichkeit mit dieser Entwicklung?

In sozialdemokratischen, wie auch in anderen Gewerk-schaften hat die Regelung der Arbeitsbedingungen in Australien durch die dortigen Gewerkschaften bis in unsere Tage hinein alsmustergültiges Vorbild gegolten. Dieglänzende Entwicklung,der wachsende Reichtum Australiens " wurden auf ihre Rechnunggeseht; damit sollte bewiesen sein, wie eine solche mit höchstenLöhnen, kürzester Arbeitszeit und überhaupt mit der sozia-listischen Beherrschung der Arbeitsgesetzgebung durchaus verein-bar sei. So heißt es in dem umfassenden Werk von Vilschowskiüber das Schlichtungswesen:

Das gewerbliche Schieds- und Schlichtungswesen, die ge-setzlichen Lohnausschüsse, die obligatorische Schiedsgerichtsbar-keit haben in Australien ganz außerordentlich günstige Erfolgegehabt, die einzig dieser sozialpolitischen Gesetzgebung zu ver-danken sind .... Nach dem Urteil zahlreicher hervorragenderSozialpolitiker sind die sozialpolitischen Verhältnisse Australiens äußerlich die günstigsten der Welt."

Etwas zweifelhaft wurde die öffentliche Meinung freilich,als der australische Hafenarbeiterstreik zu so groben Ausschrei-tungen der Streikenden führte, daß die bewaffnete Macht nach-drücklich dagegen eingesetzt werden mußte. Diese Zweifel wurdenstärker, als die australische Bundesregierung eine LritisnLconomiL Mssivn, bestehend aus so angesehenen Wirtschafts-sachverständigen wie D. O. Malcolm, Sir Arthur Duckham, SirHugo Hirst und Sir Crnest Clark, zum Studium der wirtschaft-lichen Verhältnisse Australiens und zu Ratschlägen für die weitereökonomische Entwicklung des Landes einlud. Deren Berichtliegt jetzt vor und übt an der Finanzgebarung wie an der indu-striellen Arbeiterbewegung Australiens scharfe Kritik. Da diedortige Arbeiterpartei lange Jahre an der Regierung war, richtetsich die Kritik der Finanzgebarung ganz besonders gegen die

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