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Der große Irrtum der deutschen Lohnpolitik / von Georg Gothein
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fährlicher Vorgang. Eine nennenswerte Erhöhung der Förder-sähigkeit der Gmben ist dadurch nicht einmal herbeigeführtworden. Das Schwalenbach-Gutachten hat erwiesen, daß dieAbschreibungen und die Rückstellungen bei den deutschen Stein-kohlengruben unzureichend sind. Zu dem gleichen Ergebnis istdie Untersuchung der Sachverständigen des Reichswirtschafts-ministeriums gekommen. Die im Besitz des preußischen Staatesbefindlichen, in der Preußag zusammengefaßten Werke konntenfür 1928 nur 4 v. H. Dividende verteilen gegen 5 v. H. im Vor-jahr, und selbst das nur unter Zuhilfenahme der günstigen Er-trägnisse der Kaliwerke.

Die englischen Kohlengruben haben für das letzte Jahr einenVerlust von 250 Mill. NM. ausgewiesen. Solche Verlustekann das reiche England mit seiner hochaktiven Zahlungsbilanzertragen, nicht aber das verarmte und verschuldete Deutschland mit seiner furchtbar passiven Zahlungsbilanz.

Selbst die sozialistische Theorie verlangt nicht nur den Er-satz der abgängig werdenden Vetriebsanlagen, sondern auch derendem Bevölkerungszuwachs wie dem technischen Fortschritt ent-sprechende Verbesserung aus den laufenden Betriebseinnahmen,ein Verhältnis, das in Deutschland kaum irgendwo noch er-reicht wird. Die Theorie wird aber beiseite gestellt, wenn siesich mit den Lohnforderungen nicht in Einklang bringen läßt.

Braunkohle.

Günstiger liegen die Verhältnisse im Braunkohlen-bergbau, der freilich am Zinsfuß für festverzinslicheWerte gemessen auch eine unzureichende Rentabilität auf-weist. Aber selbst hier stand der Leistungssteigerung von 4,4 Pro-zent in 1928 eine Steigerung des Lohnanteils von 11,2 Prozentgegenüber. Alle seit 1924 mit riesigen Kosten vorgenommenenRationalisierungen wurden durch die achtzigprozentige Lohn-steigerung absorbiert.

Eisenindustrie.

Jede Verteuerung der Kohle des Brots der Industriezieht eine solche aller Produktionskosten wie des Verkehrs nach

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Georg Gothcin, Lohnpolitik

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