Unternehmungen bleibt trotzdem weit hinter der des Auslandeszurück. Zur allgemeinen Kapitalneubildung vermögen sie dahernur wenig beizutragen. Und wie sind die Vorkriegswerte beider Goldumstellung zusammengelegt worden! Im abgelaufenenJahr hat die Rentabilität sowohl in der Schwachstrom- wie inder Starkstromindustrie wesentlich nachgelassen. Verschiedenealtrenommierte, bestfundierte Werke haben die Dividende kürzenoder ausfallen lassen. In der Schwachstromindustrie machte sichder geringere Zugang an Telephonanschlüssen nachteilig geltend,eine Folge der Erhöhung der Fernsprechgebühren, die die Neichs-post zum Ausgleich von Vesoldungs- und Lohnsteigerungen fürgeboten erachtet hatte. Allgemein hat mit dem Konjunkturrück-gang auch hier der Auftragseingang aus dem Inland nach-gelassen, ohne daß die Auslandsnachfrage Ersatz geschaffen hätte.
Textilindustrie.
In der Textilindustrie liegen in ihrem wichtigstenZweig: der Verarbeitung von Baumwolle, die Verhält-nisse denkbarst traurig. Die deutschen Spinnereien haben vorkurzem eine vierzigprozentige Vetriebseinschränkung beschlossen.In der ganzen deutschen Vaumwollindustrie waren AnfangMai nur 55 v. H. der Arbeiter voll beschäftigt. Dabei war 1928die Einfuhr von baumwollenen Garnen, Web- und Wirkwarenum 95 Mill. RM. niedriger, die Ausfuhr um 23,6 Mill. NM.höher als 1927. In den ersten drei Monaten 1929 hat sichgegen das I. Quartal 1928 die Einfuhr um weitere 51,3 Mill.RM. verringert, die Aussuhr freilich ebenfalls — wenn auch nurum 4,2 Mill. NM. Es ist ein magerer Trost, daß es auch derenglischen Vaumwollindustrie herzlich schlecht geht und sieebenfalls zu starken Vetriebseinschränkungen gezwungen ist.Denn weder die französische, noch die belgische, noch die tschecho-slowakische, noch die italienische, geschweige die japanische sindzu solchen gezwungen gewesen, und die nordamerikanische Vaum-wollverarbeitung hat in diesem Winter Rekordzahlen erreicht.Dabei sind in Deutschland in den Iahren 1927 und 1928 diedurchschnittlichen tarifmäßigen Stundenlöhne um 14 Pfennige
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