Politik und Diplomatie an. Erst an letzter Stelle von geistigerPräpotenz stellt sich die innere Politik der staatlichen Gesetzgebungein. Es bestätigt das Schriftwerk, was der thatsächliche Vorganggezeigt hatte. An Geschicklichkeit in Handhabung der Regierungs-maschinerie und Parteitaktik hat Bismarck nicht seinesgleichen.Für den fundamentalen Inhalt fehlt ihm der Sinn. An derganzen Entwicklung der deutschen Gesetzgebung in der erstenEpoche des neugeschaffenen Reichs, von 1867 bis Mitte dersiebziger Jahre, gehen diese Gedenkblätter schweigend vorüber— aus anderen Gründen wohl auch an der Kolonial- undSozialpolitik, deren er sich als Fahnen bedient hatte. Ich er-innere mich, daß ich, eines Tages in Gesellschaft eines frei-konservativen, ihm besrenndeten und zugethanen Kollegen ausder Reichstagssitzung nach Hause gehend, diesem zu beweisensuchte, wie eine gewisse Maßregel in einer besonderen Angelegen-heit dem sachlichen Effekt nach absolut schädlich sein müsse, undihn bat, dies dem Fürsten aus privatem Wege beizubringen.Der Kollege antwortete mir: „Da würde ich schön ankommen.Wann, glauben Sie, daß Bismarck sich je durch sachliche Gründehätte bestimmen lassen?" So auch ist es zu erklären, daß erin jeder Gegnerschaft nur persönliche Motive gewahrte.
Die „Gedanken und Erinnerungen " sind kein systematischesWerk*); Vieles ist der Zeit und dem Stoff nach durcheinandergewürfelt, wie die Einfälle sich aneinander reihen, wie derZufall der von Bucher stenographirten Gespräche sie ausstapelte.Philologische Nachforschungen anzustellen, was vom Autor, wasvon Bucher oder Anderen herrühren mag, wäre eine Auf-gabe für sich. Der Stil ist fast durchgängig vom Mark desKanzlers genährt. Ueberhaupt können von denen, die bis jetztüber das Werk berichtet haben (ich kenne natürlich von diesenBerichten bis jetzt nur den allerkleinsten Theil) in der kurzenZeit seit dem Erscheinen, auch die Bestbefähigten nicht erschöpfendihr Urtheil abgegeben haben. Dithyramben hinzuwerfen, istleicht und dankbar. Selbst nach einmaligem Durchlesen wäre
*) Leider läßt die sonst gute Ausstattung ein alphabetisches Register derSachen und der Namen vermissen.